Das älteste Netz Deutschlands / James Watt als Vorreiter
Der Gedanke, Dampf zu Heizzwecken zu benutzen, ist nicht neu und bereits 1653 in einer in London erschienenen Schrift zur Beheizung von Gewächshäusern beschrieben. Auch James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine, heizte bereits 1784 die Büroräume seiner Werkstatt mit dem Abdampf seiner Dampfmaschine und nutzte somit die Wärmeverluste seiner Maschine sinnvoll aus.
Die erste Städteheizung entstand 1878 in Lockport in den USA. Somit ist die öffentliche Wärmeverteilung älter als die öffentliche Stromversorgung. Im Jahre 1910 veröffentlichte der Begründer der deutschen Elektrizitätsversorgung (AEG / BEWAG), Emil Rathenau, einen Aufsatz über die Aufgaben der Elektrizitätsversorgung, in dem er auch auf die Vorteile der Wärmekraftkopplung hinwies, nämlich die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung und Senkung der Umweltbelastung in den Ballungsräumen.
Anfang in der Wilhelmstraße
In Braunschweig hatte die Fernwärmeversorgung schon recht früh eingesetzt. Bereits 1924 wurde die Fernwärmeversorgung eingeführt, als man beschloss, große mit Zentralheizung ausgerüstete staatliche und städtische Gebäude mit dieser Energie zu versorgen. Als Wärmeträger diente der Dampf. Mitte November 1924 konnte die Wärmelieferung aufgenommen werden. Nach dem zweiten Ausbau im Sommer 1925 hatte das Rohrleitungsnetz bereits eine Ausdehnung von 3,2 Kilometer. Die Trasse verlief vom Gleichstromwerk in der Wilhelmstraße bis zum (alten) Hauptbahnhof am Friedrich-Wilhelm-Platz. Um den Heizbetrieb wirtschaftlich zu machen, entschloss man sich 1928 zum Bau einer Fernleitung zum großen Drehstromwerk an der Uferstraße, um von dort kostengünstiger Wärme zu liefern.
Vom Dampf zum Wasser
Als Ende der 50er Jahre im Zuge der weiteren Entwicklung das Fernwärmenetz näher untersucht wurde, wuchs die Erkenntnis, dass ein Dampfnetz nicht das Optimum an Wirtschaftlichkeit darstellt. Wie 1910 schon von Rathenau geweissagt, entschloss man sich ein Heizwassernetz zusätzlich einzuführen. Dieses hat u.a. den Vorteil einer größeren Wärmekapazität, so dass es die Anheizspitzen am Morgen wesentlich besser aus seinem Wärmeinhalt decken kann, während das Dampfnetz eine solche Speicherung wegen der geringen Masse nicht zulässt.
Die 60er Jahre
Das erste Heizwassernetz in Braunschweig wurde 1960 im Neubaugebiet Südstadt eingerichtet. Das Heizwerk Süd wurde als reines zentrales Heizwerk für Ölfeuerung konzipiert. 1962 folgte das Netz am Radeklint, das bis 1969 noch über eine Umformstation aus dem Dampfnetz eingespeist wurde. Nach Inbetriebnahme des Heizkraftwerkes Nord 1962 wurde eine Heizwasserfernleitung zum Heizkraftwerk an der Uferstraße verlegt, die schon 1963 in Betrieb ging und auf dem Weg das Gebiet um das HKW-Mitte (Schwarzer Berg und Siegfriedviertel) versorgte. Ferner entstanden 1965 das Heizwerk West in der Weststadt und es wurde eine Heizwasserfernleitung quer durch die Stadt zum neuen Hauptbahnhof gelegt. Der ständig gestiegene Lastzuwachs zwang schließlich zum Bau des Heizwerkes Ölper, um PTB und FAL mit Heizwasser zu versorgen.
Energieversorgungskonzept als Grundlage für den Erfolg
Das Braunschweiger Energieversorgungskonzept von 1982 stellte die Weichen bis in die heutige Zeit. In diesem Konzept wurde dem Fernwärmemarkt im Hinblick auf eine sichere, rationelle und umweltfreundliche Energieversorgung eindeutig eine Priorität zugeordnet. So kamen zu dem Heizwassernetz vor allem gewerbliche und öffentliche Gebäude in der Innenstadt hinzu. Auch die neuen Institute der Technischen Universität wurden mit Fernwärme versorgt. In den siebziger Jahren expandierte die Fernwärmeversorgung sehr stark, so dass ca. 11.000 neue Wohnungen und zahlreiche Gewerbebetriebe als Kunden geworben werden konnten. In den Jahren 1987 und 1988 wurde die ehemalige Inselversorgung der Weststadt mit dem Heizwerk West (1965) in der Elbestraße und das Heizwerk Süd in der Dessaustraße im Heidberg (1962) an das Heizkraftwerk Mitte versorgte Innenstadtnetz angeschlossen.
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