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“Digital edition” - Siebter Energie-Talk von BS|ENERGY

Am 18. März ging der Energie-Talk von BS|ENERGY in die siebte Runde.

Auch in diesem Jahr führte Prof. Dipl.-Ing. Andreas Grübel (FH Münster / TU Berlin) gemeinsam mit Gastgeber Dr. Volker Lang (BS|ENERGY) durch den Energie-Talk - leider ohne Publikum vor Ort.

Referenten und Teilnehmer schalteten sich digital dazu.

Unternehmer, Geschäftspartner und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft tauschten sich zu den Themen Energiewirtschaft, Klimapolitik und Mobilität aus - dieses Mal jedoch nicht wie gewohnt persönlich im Wasserwerk von BS|ENERGY, sondern in digitaler Form.

Vorstandsmitglied Dr. Volker Lang umriss in seinen Begrüßungsworten die strategische Ausrichtung von BS|ENERGY: Klimaschutz und Digitalisierung stünden für das Unternehmen an erster Stelle. “Als regional tief verankerter Versorger verstehen wir uns als Mitgestalter des gesellschaftlichen Wandels”, erklärte er. Diese Zielsetzung spiegelt sich im aktuell bedeutendsten Projekt des Unternehmens, der Modernisierung des Kraftwerksparks wider. Dies ermöglicht nicht nur den Kohleausstieg 2022, sondern bietet auch den Kunden eine noch klimafreundlichere Fernwärmeversorgung. Und auch die Zeit danach beschäftigt den Energieversorger bereits jetzt. So zog sich das Thema Wasserstoff wie ein roter Faden durch alle folgenden Gastbeiträge. 

Die Corona-Krise beeinflusste nicht nur das Format der Veranstaltung, sondern auch die Themen.  Dipl.-Ing. Tobias Federico, Geschäftsführer der Energy Brainpool GmbH & Co. KG, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Reaktionen des Energiemarktes auf die Krise. Besonders auffällig sei die sinkende Stromnachfrage in Deutschland während des ersten Lockdowns gewesen. Mit einem fünf- bis siebentausend Megawattstunden geringeren Verbrauch lag diese fünf bis sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Daran änderte auch die vermehrte Nutzung von Geräten im Homeoffice nichts. Da private Haushalte nur ein Drittel des deutschen Stromanteils ausmachen, fällt die Schließung von Industrie- und Wirtschaftszweigen mehr ins Gewicht. Daraus resultierte wiederum eine Veränderung der Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Einige Betreiber mussten ihre Stillstandszeiten über höhere Grenzkosten kompensieren und beeinflussten so das Preisniveau. Doch auch die CO2-Zertifikatspreise, die Tobias Federico bereits im letzten Jahr thematisierte, reagierten auf die Krise. Die geringere Nachfrage und die veränderte Einsatzreihenfolge führten zu einem verminderten Einsatz von Stein- und Braunkohle, was wiederum einen positiven Effekt auf die CO2-Bilanz hatte. Doch ist dieser Effekt wirklich nachhaltig?

Diese Frage stellte sich auch Eva Hennig, Leiterin Energiepolitik Europa der Thüga AG. Erst Mitte März wurden die Emissionsdaten des Umweltbundesamtes für das Jahr 2020 veröffentlicht. Das Klimaschutzziel 2020 wurde demnach erreicht - teilweise bedingt durch Corona-Sondereffekte. Für 2030 werden in Brüssel gerade neue schärfere Klimaziele festgelegt, die in den Bereichen Verkehr und Gebäude “sehr ambitioniert” seien, so Eva Hennig. Denn diese Bereiche seien sehr schwierig zu dekarbonisieren und hinkten im Vergleich immer noch hinterher. Aber auch die Grenzwerte für die Strom- und Wärmeproduktion, die in einer Sondergesetzgebung der nachhaltigen Finanzierung geregelt werden, wären mit Erdgas oder nur mit Biomethan nicht erreichbar. Wasserstoff sei deshalb ein essentieller Bestandteil der Dekarbonisierungsstrategie.

Nicht nur in Europa, auch in Deutschland wird Wasserstoff immer wichtiger. Aktuell stammen nur 15 Prozent des deutschen Primärenergieverbrauches aus erneuerbaren Energiequellen. Bis zum Jahr 2050 müssten auch die restlichen 85 Prozent nachziehen. Die Lösung: den Verbrauch durch mehr Effizienz senken und fossile Energieträger durch klimaneutrale  ersetzen. Die Wasserstoffstrategie sei hier ein guter Ansatz, aber “die Regierung fokussiert sich zuerst auf die Industrie, dann auf den Verkehr. Der Bereich Wärme kommt zu kurz”, so Markus Wörz, Leiter Energiepolitik Deutschland der Thüga AG. Er präferiert die Ansätze der “BDEW Roadmap Gas”, die sich nicht nur auf grünen Wasserstoff beschränkt und zudem den Einsatz in allen Sektoren berücksichtigt. Aktuell beteiligt sich die Thüga AG daher an dem Reallabor “Westküste 100” in Schleswig-Holstein. Hier soll aus Offshore-Windenergie grüner Wasserstoff produziert und die dabei entstehende Abwärme “recycelt” werden. Der Wasserstoff soll unter anderem für die Produktion von grünem Kerosin für den Hamburger Flughafen genutzt und in das Gasnetz der Stadtwerke Heide eingespeist werden.

Auch im Bereich Mobilität nimmt die Bedeutung von Wasserstoff zu. Bereits im Einstieg berichtete Dr. Volker Lang von der enormen Bedeutung der Elektromobilität für BS|ENERGY und ganz Braunschweig. Um auch hier den geforderten CO2-Grenzwert heute zu erreichen, bedarf es schon in 2021 etwa eine halbe Million Neuzulassungen von E-Autos. Dem vorausgesetzt ist die Entwicklung und Produktion von neuen und innovativen Batterien - ein Thema, mit dem sich Prof. Dr.-Ing. Arno Kwade, Leiter des Instituts für Partikeltechnik und der Battery LabFactory (BLB) an der TU Braunschweig, beschäftigt. Die Reichweite, die man mit der heutigen Lithium-Ionen-Batterietechnologie erreichen kann, ist begrenzt. Festkörperbatterien hingegen versprechen zukünftig eine Leistung von bis zu 1.200 Wattstunden pro Liter und damit eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern. “Die Verwendung von festen statt flüssigen Elektrolyten ist zum einen bedeutend sicherer und besitzt zum anderen das Potential einer besseren Schnellladung”, erklärt Arno Kwade. Um Elektromobilität massentauglich zu machen, sieht er vier notwendige Schritte: Die Produktionskapazität von Batteriezellen steigern, die Ladeinfrastruktur ausbauen, den CO2-Ausstoß bei der Produktion minimieren und eine Kreislaufwirtschaft für Batteriematerialien aufbauen. Darüber hinaus setzt auch Arno Kwade auf eine Kombination aus Batterietechnik und Wasserstoff.