Zurück

Energy for Future - Sechster Energie-Talk von BS|ENERGY

News: Presse

Am 20.02.2020 ging der Energie-Talk von BS|ENERGY in die sechste Runde. Zu dieser Veranstaltung lud BS|ENERGY Unternehmer, Geschäftspartner und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft ins Wasserwerk Bienroder Weg ein, um sich über aktuelle Trends bei den Themen Energiewirtschaft, Klimapolitik und Digitalisierung der Braunschweiger Infrastruktur auszutauschen.

Zentraler Gesprächsstoff waren der Klimawandel und die damit einhergehende Energiewende. Moderator Professor Andreas Grübel, Energiewirtschaftsexperte (FH Münster / TU Berlin), leitete die Veranstaltung mit einer dazu passenden Redewendung ein: „Ein guter Verkäufer kann sogar einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen.“ Doch was ist, wenn künftige Generationen den Humor dahinter nicht mehr verstehen, weil diese Idee gar nicht mehr so abwegig ist?

BS|ENERGY-Vorstandsmitglied Dr. Volker Lang erläuterte aktuelle Unternehmensentwicklungen. Beispielsweise gab er Einblicke in das Leuchtturmprojekt von BS|ENERGY: der Modernisierung der Energieerzeugung. 2022, also 16 Jahre früher als vom Gesetzgeber vorgegeben, wird das Kohleheizkraftwerk durch ein Biomasse-Heizkraftwerk mit dem Hauptbrennstoff Altholz in Kombination mit einem Gasturbinen-Heizkraftwerk ersetzt. Dazu tätigt BS|ENERGY die größte Investition der Unternehmensgeschichte mit insgesamt 220 Millionen Euro. Weiterhin bündelt die die zur Unternehmensgruppe gehörende Digitalisierungsagentur Kom-Dia ihre Kompetenzen im Bereich Smart City und treibt Dienstleistungen im Geschäftsfeld Elektromobilität voran.

Energiemarktexperte Tobias Federico, Energy Brainpool GmbH & Co. KG, zog Parallelen zwischen der Fridays for Future Bewegung (FFF) und der 68er-Bewegung: Beide grenzten sich klar von ihrer Vorgänger-Generation ab und auch die Vorwürfe an diese gingen in dieselbe Richtung: „Ihr redet nur, aber tut nichts.“ Die damit verbundenen Ängste seien verständlich, wenn man bedenke, dass diese Generation in eine Zeit hineinwachse, in der der Klimawandel nicht mehr umkehrbar sei, so Federico. Sein Beispiel: Angebliche 100 Prozent Grünstromlieferungen, die eigentlich grauer Strom seien, der mit Zertifikaten aus norwegischer Wasserkraft grüngewaschen würde. „Von so einer Augenwischerei lässt sich die junge Generation nicht mehr beindrucken“, erklärt Tobias Federico. Trotz aller Proteste sei aber nicht von der Hand zu weisen, dass Deutschland die gesteckten Klimaziele für das Jahr 2030 erreichen würde, ebenso wie die vierzigprozentige CO2-Reduzierung, die für dieses Jahr angesetzt ist. „Allerdings ist diese Entwicklung nicht der Politik zu verdanken, sondern allein den Kräften des Energiemarktes mit Hilfe hoher Zertifikats- und niedriger Gaspreise“, betonte er.

Die angesprochenen Emissionshandels-Zertifikate griff auch Markus Wörz, Leiter Energiepolitik Deutschland, Thüga AG, auf. Diese seien zwar äußerst hilfreich, jedoch regulierten sie aktuell nur Energiewirtschaft und Industrie – nicht aber Bereiche wie Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft oder Abfall. Aus dieser Problematik resultierte das im letzten Jahr vorgestellte Klimaschutzprogramm, mit der positiv zu wertenden Einführung eines nationalen Emissionshandels für eben die Bereiche Wärme und Verkehr. Beim Kohleausstiegsgesetz sah Markus Wörz dringenden Nachschärfungsbedarf – und das nicht nur wegen der entstehenden Unwucht zwischen dem Stein- und Braunkohleausstieg. Ihm fehlten sowohl Alternativen für die wegfallende Kohle, als auch Anreize für das Kraft-Wärme-Kopplungssystem, da für ihn die Zukunft im Gas-Bereich läge: „Unsere Gasnetze müssen durch erneuerbare Gase wie Wasserstoff und Biomethan dekarbonisiert werden.“

Neben dem Bick in Vergangenheit und Gegenwart äußerten die Referenten ebenfalls Empfehlungen für die Zukunft: Markus Wörz griff hier noch einmal seine Wasserstoffthese auf und erwartete von der Regierung, solchen Technologien gegenüber offen zu sein und deren Anwendung in allen Sektoren zu ermöglichen, insbesondere im Wärmesektor. Eher einen Wunsch als eine Empfehlung äußerte Tobias Federico mit der Aussage, dass die Regierung den Puls der Zeit im Sinne der FFF erkennen und verstehen müsse. Aus Sicht von Dr. Volker Lang gäbe es bislang nur viele Einzelmaßnahmen, die nicht zusammengreifen. Man brauche jedoch ein stimmiges und vor allem sektorenübergreifendes Gesamtsystem. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen waren sich am Ende alle einig: Die Klima- und Energiewende hat erst begonnen.