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Fünfter Energietalk von BS|ENERGY: Blackout in Braunschweig?

News: Presse

Der Energietalk von BS|ENERGY ging am vergangenen Donnerstag in die fünfte Runde. Zu diesem Anlass lud BS|ENERGY verschiedene Unternehmer, Geschäftspartner und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft ein, um im Wasserwerk Bienroder Weg über Entwicklungen und Möglichkeiten der Energiebranche und den Umgang mit Krisensituationen zu diskutieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Paul Anfang, stellvertretender Vorstandsvorsitzender BS|ENERGY, mit einem Überblick über zurückliegende und bevorstehende Veränderungen bei BS|ENERGY. Neben dem Einstieg der Thüga als neuer Anteilseigner steht mit dem Kohleausstieg bis 2023 auch ein neues Erzeugungskonzept mit einer Kombination aus Gasturbine und Biomasse-Heizkraftwerk. Im Anschluss stellte sich Dr. Volker Lang als neues Vorstandsmitglied und Leiter des Vertriebs kurz vor und gab einen Ausblick auf die Digitalisierungsagentur, die aktuell entsteht. „Mir ist es wichtig, Digitalisierung als Chance zu sehen und technische Möglichkeiten zu nutzen, die vor einiger Zeit noch gar nicht denkbar waren“ betonte Dr. Lang. Ziel der Digitalisierungsagentur ist es, Braunschweig in Geschäftsbereichen wie Elektromobilität, WLAN und Telekommunikation den Weg zur Smart City zu bereiten.

Bezugnehmend auf die Entwicklung bei BS|ENERGY und damit einhergehende Herausforderungen stand im Fokus des diesjährigen Energietalks das Thema Krisenmanagement. Der Höhepunkt des Abends war ein Vortrag des ehemaligen Lufthansakapitäns Hans-Ulrich Baier, der zum Thema Entscheidungsfindung mithilfe der FORDEC-Methode in Krisensituationen referierte. „Die häufigsten Fehler treten aufgrund menschlichen Versagens und vor allem schlechter Kommunikation auf. Insbesondere in Krisensituationen, mit einem Adrenalincocktail im Blut, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und gut strukturierte Entscheidungen zu treffen“ mahnte Baier. „Dafür sind Praktiken wie zum Beispiel die FORDEC-Methode unerlässlich“. FORDEC steht für das englische Facts, Options, Risks, Decisions, Execution, Check und beschreibt ein Vorgehen zum Abwägen aller vorhandenen Fakten und daraus resultierenden Optionen und Risiken. Die Luftfahrt greift bei der Schulung von Piloten schon seit Jahren auf diese Methode zurück, aber auch im Alltag könne man diese anwenden: „Die Methode kann bei einem Flugzeugabsturz weiterhelfen, aber genauso gut beim Schuhekaufen“, so Baier.

Als ein mögliches Krisenthema im Zusammenhang mit BS|ENERGY referierte Klaus Winter, Geschäftsführer der BS|NETZ GmbH, über das Szenario eines vollständigen Blackouts (Stromausfall) in Braunschweig. „Stellen Sie sich mal den Braunschweiger Weihnachtsmarkt ohne Beleuchtung vor – Abgesehen von Mandel Meier würde man hier nichts mehr wiederfinden“. Zu der Frage von Moderator Prof. Dipl.-Ing. Andreas Grübel, ob BS|NETZ für einen Blackout in Braunschweig gewappnet wäre, zeigte sich Winter optimistisch: „Wir haben viele Fachkräfte, die für einen Ernstfall geschult und in der Lage sind, die Versorgung bei einem Vorfall wie in Berlin Köpenick schnell wieder herzustellen“. Darüber hinaus habe man in technischen Simulationen nachgewiesen, dass im Ernstfall eine Versorgung von der Mehrheit der Braunschweiger Haushalte auch unabhängig von der deutschen Netzstruktur möglich sei.

Ist ein Blackout in Braunschweig also kein realistisches Szenario?

In der abschließenden Diskussion postulierte Paul Anfang, sich für alle Eventualitäten der Zukunft zu wappnen: „Bei allen Vorteilen der Energiewende führt die damit zusammenhängende Dezentralisierung der Energieerzeugung zu einer Zunahme möglicher Angriffspunkte. Auch die Digitalisierung stellt uns vor immer größere Herausforderungen.“ Deswegen sei es wichtig, sich nicht von einer Energiequelle abhängig zu machen und weiterhin Simulationen für den Ernstfall durchzuführen. „Wir sollten immer auf das Unvorhergesehene vorbereitet sein“.