Allgemeines

Flexible Fernwärme-Systeme sind ein tragender Pfeiler für die zukünftige Energieversorgung. Sie sind – auch nach Ansicht der Bundesregierung – Stützen für die Versorgungssicherheit und ein wichtiger Hebel, um die CO2-Emssionen auf dem Wärmemarkt zu reduzieren. Ein besonderer Vorteil ist, dass die Wärme beim Kunden unabhängig von der Erzeugungstechnologie genutzt werden kann. Die Erzeugung kann daher an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden, ohne dass der Wärmekunde seine Heizung verändern muss.

Außerdem erlauben flexible Wärmenetze – wie das Netz von BS|ENERGY in Braunschweig mit seinen drei Speichern – die Speicherung von großen Energiemengen. So können die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen Strom produzieren, wenn gerade keine Sonne scheint und Photovoltaik-Anlagen keinen Strom produzieren, die Wärme aber erst dann abgeben, wenn unsere Kunden es warm haben wollen. Und wenn ganz viel Wind weht, kann in den Wärmespeichern sogar überschüssiger Strom in Form von Wärme gespeichert werden.

Alle von uns geprüften Varianten wurden auch hinsichtlich der Wärmekosten für die Kunden analysiert. Die drei Varianten, die jetzt noch in der Planung sind, haben bei dieser Analyse gut abgeschnitten. Eine Erhöhung der Wärmepreise ist daher aufgrund der Zukunftsstrategie nicht zu erwarten.

Darüber hinaus sind Energieversorger  bei der Preisfestsetzung nicht unabhängig: Der Fernwärmepreis unterliegt einer staatlichen Aufsicht, die bei überdurchschnittlich hohen Preisen einschreitet.

Um den Klimawandel zu verlangsamen und natürliche Ressourcen zu schonen, ist in Deutschland festgelegt, wie viel Energie ein Gebäude benötigen darf. Dabei wird über den Primärenergiefaktor auch berücksichtigt, welche Klimaauswirkungen durch den eingesetzten Energieträger entstehen. Ein Hausbesitzer hat daher die Möglichkeit, den Primärenergiebedarf des Gebäudes zum Beispiel über zusätzliche Dämmung oder die Auswahl eines Energieträgers mit niedrigem Primärenergiefaktor zu verringern. Wenn dieser für die Fernwärme aufgrund anderer Erzeugungsanlagen sinkt, profitieren alle Immobilienbesitzer und indirekt auch Mieter davon, da bauliche Investitionen dadurch vermieden werden können.

Die politischen Rahmenbedingungen machen derzeit eine verlässliche Zukunftsplanung für die Energieerzeugung schwierig. Um die Auswirkungen von veränderten Rahmenbedingungen zu minimieren und sie weitgehend bei der Erzeugungsstrategie berücksichtigen zu können, will BS|ENERGY die Entscheidung für eine Variante möglichst spät treffen. Um dennoch zum Zielzeitpunkt die neuen Erzeugungsanlagen einsatzbereit zu haben, ist die parallele Planung erforderlich.

Die Erzeugungsstrategie ist eine unternehmerische Entscheidung, die unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Umfelds, der Marktbedingungen und der Wirtschaftlichkeit getroffen wird. Bei BS|ENERGY sind die Braunschweiger Bürger an dieser Entscheidung mittelbar durch die von ihrem gewählten Stadtrat in den Aufsichtsrat von BS|ENERGY entsandten Vertreter beteiligt.

Nach derzeitigem Stand werden die neuen Erzeugungsanlagen im Jahr 2022 ans Netz gehen. Im direkten Anschluss sollen dann Altanlagen Stück für Stück stillgelegt werden.

Die geologischen Rahmenbedingungen und die dichte Bebauung im Stadtgebiet erlauben in Braunschweig keine wirtschaftliche Nutzung von Erdwärme. Auch die zur Verfügung stehenden Flächen für Sonnenkollektoren reichen nicht aus, um damit im Winter eine Fernwärmeversorgung in der Stadt zu realisieren.

Die Planungen der drei Varianten werden weiter vorangetrieben und zur Entscheidungsreife gebracht. 2018 werden die zuständigen Gremien von BS|ENERGY die Entscheidung für eine Variante treffen.

Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben wird es eine Beteiligung der Öffentlichkeit bei den Genehmigungsverfahren durch die zuständigen Behörden geben. Beispielsweise werden die für die Genehmigung erforderlichen Unterlagen zur Einsicht für die Öffentlichkeit ausgelegt.  Die konkrete Ausgestaltung dieser Beteiligung hängt unter anderem von der jeweiligen Erzeugungsanlage ab. 

Da BS|ENERGY Fördermittel nutzen will, hängt das weitere Verfahren eben auch von politischen Entscheidungen ab. Die Entscheidung für eine Variante soll auch deshalb so spät wie möglich und so früh wie nötig getroffen werden. So können wir zum Beispiel noch auf sich verändernde politische Rahmenbedingungen reagieren. Die Bundesregierung fördert aktuell die Modernisierung von Energieerzeugungsanlagen, vor allem die von BS|ENERGY geplanten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), bei denen gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden. Um diese Förderung nutzen zu können, müssen die neuen Anlagen bis 2022 am Netz sein, sodass eine Entscheidung für eine Variante bis Ende 2018 getroffen werden muss.

Die Planung sieht vor, dass die neuen Anlagen (Biomasse-Heizkraftwerk und Gasturbinen-Heizkraftwerk) auf dem Gelände des Heizkraftwerkes an der Hamburger Straße gebaut werden. 

Die GuD bleibt in allen Varianten in ihrer jetzigen Form erhalten. Die Anlage wurde erst 2011 in Betrieb genommen und ist das modernste Kraftwerk im Anlagenportfolio. 

Für einen wirtschaftlichen und effizienten Betrieb des Fernwärme-Netzes, hat ein zentraler Produktionsstandort einen großen Vorteil. Andernfalls wären hohe Investitionen in neue Leitungen notwendig. Zudem bleibt die Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) am Standort Mitte Herzstück der modernisierten Erzeugung, sodass an der Hamburger Straße die bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden kann. 

Abwärme

Die technischen Bedingungen für die Wärmeauskopplung beim Stahlwerk in Salzgitter machen eine Kooperation mit dem dortigen Unternehmen besonders interessant – auch weil damit ein großer Anteil der in Braunschweig benötigten Nutzwärme erzeugt werden kann. Eine vergleichbare Wärmequelle ist in Braunschweig nicht vorhanden. Von der aktuell geplanten Abwärmenutzung in Salzgitter unabhängig wird BS|ENERGY jedoch auch in Zukunft Möglichkeiten der lokalen Abwärmenutzung prüfen.

Die momentane Planung sieht vor, dass die Leitung vorwiegend (außer z.B. an Brücken) unterirdisch verlaufen würde. BS|ENERGY prüft derzeit noch verschiedene Optionen für den Verlauf. Ziel ist es, einen Routenverlauf zu finden, der keine erheblichen Umweltauswirkungen hat. Gleiches gilt für die Auswahl von Technologien und Verfahren bei der Verlegung der Abwärmeleitung, die in der Weststadt auf dem Gelände des bestehenden Heizwerk Nord an das bestehende Netz angeschlossen werden würde.

Die Versorgung mit Fernwärme ist in jedem Fall gesichert. Dazu könnten kurzfristig mehrere Spitzenlast-Gaskessel hochgefahren werden, die grundsätzlich zur Absicherung, beispielsweise bei Wartungsarbeiten im Hüttenwerk oder an der Abwärmeleitung, zur Verfügung stehen. Ebenso könnte auch noch auf Reservekapazitäten des Kraftwerkes der Salzgitter Flachstahl GmbH zurückgegriffen werden, um die Wärmeversorgung zusätzlich abzusichern.

Zwischen der Salzgitter Flachstahl GmbH und BS|ENERGY wurde eine Vereinbarung (Letter of Intent) über die Wärmelieferung für eine Dauer von 20 Jahren unterzeichnet, in dem neben den Liefer- und Abnahmebedingungen zur Fernwärmelieferung auch Mindestverfügbarkeiten und Ersatzansprüche beschrieben sind. Das Kraftwerk der Salzgitter Flachstahl GmbH böte eine zusätzliche Absicherung der Lieferbedingungen.

Biomasse

Altholz ist ein Brennstoff, der nachhaltig und kontinuierlich anfällt und größtenteils nicht anderweitig, zum Beispiel durch Recycling, verwertet werden kann. Momentan wird in den meisten anderen, weitestgehend in die Jahre gekommenen Altholzkraftwerken nur ca. 30% der wertvollen, im Holz gespeicherten Energie genutzt. Durch den Bau eines neuen modernen Heizkraftwerkes mit Kraft-Wärme-Kopplung kann BS|ENERGY diesen Anteil auf fast 85% erhöhen. Vornehmlich wird dabei Altholz aus der Region Braunschweig sowie aus den angrenzenden Teilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts verwendet, sodass keine langen Transportwege notwendig sind. Dadurch lässt sich nachhaltige und dennoch für unsere Kunden günstige Wärme erzeugen.

Im Biomasse-Heizkraftwerk kommt, neben Landschaftspflegeholz, im wesentlichen Altholz der Klassen A I bis A IV als Brennstoff zum Einsatz:

Landschaftspflegeholz          

  • Naturbelassenes Holz und holzige Materialien.
  • Beispiele: Stammholz, Ast-, Strauch- und Grünschnitt u.a. von Grundstückseigentümern und Straßenmeistereien

A I

  • Lediglich mechanisch bearbeitetes und nur unerheblich verunreinigtes Holz.
  • Beispiele: Verschnitt, Paletten, Kisten, naturbelassenes Bauholz

A II

  • Verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Holz ohne Kunststoffe oder Holzschutzmittel in der Beschichtung.
  •  Beispiele: Holzwerkstoffe, Paneelen, Bauspanplatten, Dielen, Schalhölzer 

A III

  • Verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Holz mit Kunststoff-Verbindungen aber ohne Holzschutzmittel in der Beschichtung.
  • Beispiele: Möbel, Küchen, sonstige Inneneinrichtungen

A IV

  • Mit Holzschutzmittel behandeltes, imprägniertes oder beschichtetes Holz.
  • Beispiel: Türen und Fenster aus dem Außenbereich, Dachbalken, Leitungsmasten, Holz aus dem Garten- und Landschaftsbau 

Für eine Stadt mit einer Größe von Braunschweig ist regional nicht ausreichend nachhaltige Biomasse aus Frisch- und Waldrestholz oder auch Landschaftspflegeholz vorhanden, sodass dieses über die Landesgrenzen hinweg oder sogar aus Übersee beschafft werden müsste. Auch sieht BS|ENERGY es als nicht nachhaltig an, wenn für die Wärmeversorgung von Braunschweig in Elm und Harz zusätzliche Bäume gefällt werden müssen. Deshalb hat BS|ENERGY sich zusätzlich zu regional anfallenden Mengen von Landschaftspflegeholz im Wesentlichen für Altholz entschieden.

Altholz sollte zunächst möglichst recycelt, d.h. stofflich verwertet werden (z.B. zur Herstellung von Spanplatten). Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Holz leistet durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten einen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels. Aber nicht das gesamte Altholz kann stofflich verwertet werden. Insbesondere für Altholz der Kategorie III und IV ist die thermische Verwertung in speziell auf diesen Brennstoff angepassten Biomasse-Heizkraftwerken die beste Verwendung im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips, weil dieses die Anforderungen der Holzwerkstoffindustrie z.B. wegen Fremdstoffen wie Glas oder Metall nicht erfüllen. Weil im Altholz geringe Mengen an Schadstoffen enthalten sind, wird das Heizkraftwerk den sehr strengen Anforderungen der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) entsprechen. Die mit Altholz erzeugte Energie wird in der geplanten Anlage doppelt genutzt: einmal für die Stromerzeugung und einmal für die Wärmegewinnung. Das erhöht den Wirkungsgrad des Kraftwerks (Kraft-Wärme-Kopplung). 

Die Ausgestaltung des Konzepts für den Brennstofftransport ist noch nicht abgeschlossen. Insbesondere wird noch geprüft, ob und wie die bestehende Bahnstrecke zum Braunschweiger Hafen weiter genutzt wird. Voraussichtlich wird ­­­ein Großteil der Brennstoffe mit LKW angeliefert – so wie bereits jetzt an vielen Tagen für das bestehende zu ersetzende Kohlekraftwerk. Die Anzahl der Transporte würde dabei in etwa derjenigen entsprechen, die das Kohlekraftwerk benötigt. In der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen verkehren selbstverständlich keine LKW.

Um eine Geruchsbelastung zu vermeiden, setzen wir auf hochentwickelte Anlagentechnik – wie zum Beispiel eine geschlossene und mit Luftfiltern ausgestattete Brennstofflagerhalle. Die Planungen sind aber noch nicht vollständig abgeschlossen.

Gasturbine

Als Partner der Erneuerbaren Energien sind Gaskraftwerke wie das Gas-und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) und das neue geplante Gasturbinenkraftwerk sehr flexibel und werden dringend für die Energiewende benötigt. Deshalb werden neue Gaskraftwerke von der Bundesregierung besonders gefördert. Dadurch wird die Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage sichergestellt. Außerdem wird das neue Gasturbinenkraftwerk speziell für den Winterbetrieb ausgelegt. In dieser Zeit besteht nicht nur hoher Bedarf an Wärme, sondern auch an Strom, weil gleichzeitig nur geringe Einspeisungen von Photovoltaik - und Windanlagen einem hohen Verbrauch, z.B. für Beleuchtung gegenüberstehen. In diesem Punkt unterscheidet sich diese Anlage etwas von der 2010 in Braunschweig in Betrieb gegangenen  Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD).