Seit 1924 versorgen wir die Löwenstadt mit Fernwärme. Zuerst per heißem Dampf, inzwischen als Heizwasser kommt die Wärme verlässlich und bequem seit mehr als einem Jahrhundert ins Haus.
Heutzutage gibt es in Deutschland laut der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) rund 3.800 Fernwärmenetze (Stand 2024). Über diese werden aktuell 14 Prozent der deutschen Haushalte mit Fernwärme beliefert, das entspricht etwa 6 Millionen von 43 Millionen Wohnungen im Bundesgebiet. Mit einem Fernwärmeanteil von deutlich mehr als 30 Prozent bei der Wärmeversorgung gehört Braunschweig im Bundesvergleich zu den Spitzenreitern in Deutschland. In der Löwenstadt versorgt BS|ENERGY rund 60.000 Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen mit Wärme.
Am 15. November 1924 war es soweit: Erstmals schoss heißer Dampf durch die Leitungen und versorgte vom Gleichstromwerk in der Wilhelmstraße aus staatliche und städtische Gebäude in der Braunschweiger Innenstadt mit Fernwärme. Bereits im darauffolgenden Sommer hatte das Rohrleitungsnetz eine Ausdehnung von 3,2 Kilometern erreicht. Die Trasse führte vom Werk in der Wilhelmstraße bis zum damaligen Hauptbahnhof am Friedrich-Wilhelm-Platz und versorgte 73 Abnehmer mit Fernwärme.
Auch während des Zweiten Weltkriegs konnte die Fernwärmeversorgung der Stadt weitestgehend sichergestellt werden. Mit dem großen alliierten Bombenangriff am 15. Oktober 1944 wurde der Fernwärme in Braunschweig dann allerdings ein jähes Ende bereitet, erst ab 1946 konnte schrittweise die Fernwärmeversorgung wieder aufgenommen werden.
Mit dem Ausbau der Wärmeversorgung vollzog sich in Braunschweig ab den 1960er Jahren ein technischer Wandel. Die neuen Wärmenetze nutzten nun anstelle von heißem Dampf Heizwasser als Wärmeträger. Das neue Heizmedium überzeugte durch eine bessere Regelbarkeit, geringere Wärmeverluste beim Transport und ein höheres Wärmespeichervermögen. Das erste Heizwassernetz in Braunschweig wurde 1960 im Neubaugebiet Heidberg eingerichtet und aus dem Heizwerk Süd versorgt.
Zu Anfang der 1980er Jahre beschließt die “Stadtwerke Braunschweig GmbH”, ein steinkohlebefeuertes Heizkraftwerk zu bauen. Als Brennstoff kam Ruhrkohle zum Einsatz, um unabhängig von Öl und Gas zu sein und so die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Im Rahmen der Erweiterung des Heizkraftwerks Uferstraße entstand der 198 Meter hohe Schornstein, der im Volksmund liebevoll “Langer Heinrich” genannt wird.
Nach fast 40 Jahren wurde das Braunschweiger Kohleheizkraftwerk am Standort Mitte im April vom Netz genommen. Vorausgegangen waren die Modernisierung und der Neubau von Erzeugungsanlagen mit der größten Investition in der Firmengeschichte von BS|ENERGY in Höhe von rund 250 Millionen Euro. Das Steinkohleheizkraftwerk, das Strom und Wärme am Standort Mitte produzierte, wurde durch ein Biomasse-Heizkraftwerk mit dem Hauptbrennstoff Altholz in Kombination mit einem Gasturbinen-Heizkraftwerk ersetzt. Das Biomasse-Heizkraftwerk deckt ganzjährig die Wärmegrundlast ab, das Gasturbinen-Heizkraftwerk mit Abhitze-Wärmetauscher zur Strom- und Wärmeerzeugung trägt die Spitzenlast vor allem in der kälteren Jahreszeit. Zusammen mit der bestehenden flexiblen Gas- und Dampfturbinenanlage gewährleisten die neuen Anlagen die Versorgungssicherheit.
Happy Birthday, Fernwärme!
Gestern, heute und morgen – Versorgungssicherheit für die Löwenstadt. Das heutige Braunschweiger Wärmenetz umfasst 279 Kilometer Fernwärme- und 12 Kilometer Nahwärmetrassen. Was vor 100 Jahren für diese Art der Wärmeversorgung galt, gilt auch heute noch: Die Wärme kommt bequem ins Haus – ohne zusätzlichen Aufwand.
Wie funktioniert Braunschweig? – Unsere Wärmeversorgung
BS|ENERGY versorgt in der Löwenstadt rund 60.000 Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen mit Wärme. Gut zu wissen: Egal ob man mit Fern- oder Nahwärme versorgt wird, man merkt keinen Unterschied, wenn man die Heizung oder das Warmwasser aufdreht. Von Fernwärme spricht man, wenn Heizung und Warmwasserbereitung für viele Gebäude von einer gemeinsamen Heizzentrale zentral versorgt werden. Als Nahwärme wird die Wärmeversorgung aus einem dezentralen Wärmenetz bezeichnet. Diese Quartierslösungen kommen dort zum Einsatz, wo das zentrale Fernwärmenetz zu weit entfernt ist. Auch hier werden die angeschlossenen Gebäude von einer Heizzentrale mit Wärme versorgt.
Hocheffizient, umweltschonend und wirtschaftlich
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist eine effiziente Technologie, die die Energie der eingesetzten Brennstoffe optimal ausnutzt. Durch die Verbrennung im Kessel wird zunächst Wasserdampf erzeugt, dieser wird dann durch eine Turbine geführt. Dabei setzt der durchströmende Dampf die Turbinenwelle in Drehung, und es wird mechanische Energie erzeugt. Diese wird durch Kopplung mit einem Generator in elektrische Energie umgewandelt und ans Stromnetz abgegeben. Dabei entsteht in der Turbine Abwärme, die in einen Heizkondensator geführt und zur Fernwärmeversorgung verwendet werden kann. Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme liegt der Wirkungsgrad von KWK-Anlagen bei bis zu 90 Prozent.
Hier können Sie sich unseren Flyer herunterladen.
Wir gestalten die nachhaltige und digitale Energiewelt für morgen
Fernwärme ist eine bewährte Technologie, deren Ausbau für das Gelingen der Wärmewende von entscheidender Bedeutung ist. Neben der Neuplanung von klimaneutralen Quartieren stellt insbesondere die Dekarbonisierung der bestehenden Wärmenetze eine Herausforderung auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität dar. Gemeinsam arbeiten wir bei BS|ENERGY daran, CO2-Emissionen weiter zu reduzieren und die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien voranzutreiben. Welche regenerativen Energiequellen das größte Potenzial bieten und wie diese zukünftig genutzt werden können, wird laufend in Studien untersucht. Um treibhausgasneutral zu werden, wird BS|ENERGY weiterhin sein Know-how und seine finanziellen Ressourcen in die Modernisierung der Erzeugungsanlagen und den Netzum- und -ausbau investieren.
Weiterführende Informationen zur Fernwärme finden sie in der Übersicht zur Braunschweiger Fernwärme.