Herzkammer der Präzision: Zu Besuch in der Prüfstelle für Messgeräte von BS|NETZ
Kompromisslose Korrektheit mag manchmal etwas kleinlich wirken. Allerdings gibt es Bereiche, in denen sie nicht nur angebracht, sondern absolut unverzichtbar ist. Zum Beispiel in der Prüfstelle bei BS|NETZ. Ortstermin in den beeindruckenden Räumen einer staatlich anerkannten Institution. Bei Spezialisten, die technische Messgeräte für Strom, Gas, Wasser und Wärme genauestens unter die Lupe nehmen.
Der Verbrauch von Strom, Gas, Wasser und Wärme betrifft hierzulande praktisch alle Menschen. Eine kontinuierlich zuverlässige Versorgung zu sichern, ist eine Sache. Zudem muss aber auch gewährleistet sein, dass die entsprechenden Zähler und Messeinrichtungen genau das anzeigen, was tatsächlich verbraucht wurde. Schließlich bestimmt diese Menge auch die Höhe der Kosten in der Abrechnung. So liegt es auf der Hand, dass für korrekte Messwerte ein geschärfter Blick unverzichtbar ist. Und der ist in der Eich- und Prüfstelle bei BS|NETZ unübersehbar.
Auf Verbraucherschutz geeicht
Staatlich anerkannte Prüfstellen dienen vor allem dem Verbraucherschutz. „Unsere Arbeit liegt im Interesse der Kundinnen und Kunden. Weil wir sicherstellen, dass die Funktion und die hohen Qualitätsstandards der Messgeräte lückenlos eingehalten werden,“ so fasst es Michael Körner kurz nach der Begrüßung zusammen. Er ist Teamleiter bei BS|NETZ. Zusammen mit seinen Kollegen sorgt er dafür, dass in seinem Verantwortungsbereich alles mit rechten Dingen zugeht. Um Verbrauchsmengen exakt zu bestimmen, ist eine ausgefeilte, zuverlässige Messtechnik unverzichtbar. Und selbstverständlich muss dafür gesorgt werden, dass die Zähler vorschriftsmäßig geeicht sind. Die Eichgültigkeit variiert je nach Gewerk und Messgerät. Für einen modernen Stromzähler zum Beispiel beträgt sie acht Jahre, danach wird er entweder ausgetauscht oder die Eichgültigkeit per Stichprobenprüfung verlängert.
Integrität für eine hoheitliche Aufgabe
Um die gebotene Neutralität zu gewährleisten, ist die Prüfstelle auf dem BS|ENERGY Firmengelände von den übrigen Bereichen räumlich getrennt. Sozusagen eine Insel mit eigenen Zugängen und separatem Schließsystem. Beim Rundgang wird auch die klare Trennung der Gewerke deutlich. Strom- oder Wasserzähler werden eben anders geeicht und geprüft als Gas- oder Wärmemengenzähler. Je nach Medium wird nach Gewicht oder Volumen geprüft. Auffällig ist das Ambiente, das wie eine klar strukturierte Werkstatt aussieht. Wir sehen beeindruckend angeordnete Apparaturen mit hochspezialisierter Messtechnik – dazwischen akribisch prüfende Blicke von Mitarbeitern an Einzel- und Reihenprüfständen.
Wo Genauigkeit das Maß aller Dinge ist
Für diesen hochspezialisierten Aufgabenbereich gibt es deutschlandweit rund 260 staatlich anerkannte Prüfstellen. Allerdings erfüllen derzeit nur drei davon die vorgeschriebenen Voraussetzungen, um die Messgeräte aller Gewerke (Strom, Gas, Wasser und Wärme) prüfen zu können. Eine dieser drei Stellen befindet sich eben hier, bei BS|NETZ in Braunschweig. Stellt sich die Frage, wie eine solche Kompetenz erlangt wird? Zunächst untersteht jede staatlich anerkannte Prüfstelle der jeweils zuständigen Landeseichbehörde, in Braunschweig ist es das Mess- und Eichwesen Niedersachsen. Neben der beurkundeten Akkreditierung und fachlich qualifiziertem Personal ist bei BS|NETZ auch die technische Infrastruktur vorhanden, um alle Gewerke abzubilden. Schließlich sind bei Stromzählern andere Prüfeinrichtungen notwendig, als bei Zählern für Gas, Wasser oder Wärmemengen.
Eichung und Prüfung neuer Zähler
Zu den wesentlichen Aufgaben der Prüfstellen gehören Qualitätsannahmeprüfungen. Hierbei werden neue Zähler umfassend durchleuchtet und fachgerecht angeschaut. „Jedes gelieferte Messgerät wird bei uns zuerst auf Herz und Nieren geprüft,“ so die plakative Botschaft von Michael Körner. Ein Prozess, bei dem mehrere Messgeräte parallel an einem Reihenprüfstand die Prüfprogramme durchlaufen. Neben einer sicherheitsrelevanten Überprüfung gehört dazu auch die Kontrolle aller Funktionen – zudem müssen geltende Normen erfüllt werden. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Durchführung sogenannter Befundprüfungen. Diese können vom Kunden oder Versorger beauftragt werden, wenn berechtigte Zweifel an der korrekten Funktion eines Zählers besteht. Etwa bei ungewöhnlich hohen oder niedrigen Verbrauchswerten.
Durchführung von Befundprüfungen
Hierzu wird das betreffende Gerät, beispielsweise ein Stromzähler, am Einzelprüfstand mit Hilfe spezifischer Prüfprogramme gecheckt. Ein Mitarbeiter des Teams ist gerade mit der computergesteuerten Befundprüfung eines Stromzählers beschäftigt und überwacht am Bildschirm die Ergebnisse. Hier sei alles im grünen Bereich, wie er versichert. Hat das Gerät die gesetzlichen Fehlergrenzen nicht überschritten, ist eine Befundprüfung negativ. Die niedrige Zahl von Befundprüfungen spricht für die hohe Qualität der Messgeräte: Bei Stromzählern etwa werden in dieser Prüfstelle rund 30 bis 40 Befundprüfungen pro Jahr durchgeführt. Und nur äußerst selten wird tatsächlich eine relevante Abweichung von der Messtoleranz festgestellt.
Komplexe Arbeit im engen Toleranzbereich
Die Arbeit in der Prüfstelle unterliegt den verfahrenstechnischen Richtlinien der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Sie setzt auch die zulässigen Grenzwerte für Messabweichungen bei Eichung und Betrieb der Messgeräte fest, die für alle Prüfstellen einheitlich bindend sind. Maßgeblich sind von der PTB zertifizierte Referenzzähler, die auf maximale Präzision geeicht sind. „Wir bewegen uns hier in einem sehr eng begrenzten Feld der Messtoleranz,“ betont Michael Körner. Ein Satz, der die Rahmenbedingungen dieses Ortes prägnant skizziert. Unser Einblick in diese Welt der Präzision hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Die Aufgaben sehen kompliziert aus. Die Vorgaben hören sich komplex an. Die Rechtsgrundlagen des Mess- und Eichgesetzes sind Bürokratie vom Feinsten. Und: Als Verbraucher sollte man sich darüber tatsächlich freuen.