Kohleausstieg
beschlossen –
Weg dafür klar

BS|ENERGY will das Ende der Energiegewinnung aus Kohle besiegeln. Damit rückt das Ziel, Wegbereiter einer flexiblen, ökologischen und bezahlbaren Energieversorgung zu sein, einen großen Schritt näher.

Möglich wird das durch die Modernisierung unserer Erzeugungsanlagen mit der größten Investition in der Firmengeschichte in Höhe von rund 250 Millionen Euro: Das Kohleheizkraftwerk, das Strom und Wärme am Standort Mitte an der Hamburger Straße produziert, wird durch ein Biomasse-Heizkraftwerk mit dem Brennstoff Altholz in Kombination mit einem Gasturbinen-Heizkraftwerk ersetzt. Der dritte wichtige Pfeiler bleibt neben den zwei Neuanlagen unsere flexible Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD), die gemeinsam mit den dortigen Wärmespeichern und dem engmaschigen und leistungsfähigen Fernwärmenetz einen idealen Ausgangspunkt für eine moderne Erzeugung bildet.

Aktuelles zum Erzeugungsprojekt

19. August 2022 – Förderbrücke auf HKW-Gelände installiert

Große bauliche Veränderungen lassen sich an den Neuanlagen auf dem Gelände des HKW Mitte von BS Energy nicht mehr erkennen. Denn der Rohbau ist abgeschlossen und auch die Fassade fast vollständig geschlossen. Nun wurde ein letzter wichtiger Bestandteil verbaut, der die bisherigen Anlagenteile komplettiert: Eine 70 Meter lange Förderbrücke, die das neue Biomasseheizkraftwerk (BMHKW) mit dem dazugehörigen Biomasselager verbindet.

Die über 200 Tonnen schwere Förderbrücke besteht aus zwei parallelen Linien mit je einem Förderband. Sie wurde in zwei Einzelteilen weitestgehend vormontiert und dann mit zwei mobilen Kränen eingehoben. Bei dem Hubvorgang selbst musste absolute Windstille herrschen, damit die Förderbrückenteile millimetergenau auf die vorbereiteten Auflager und Anschlusspunkte gesetzt werden konnten.

Bei einer Bandgeschwindigkeit von maximal einem Meter pro Sekunde transportiert die Förderbrücke in Zukunft Altholzschnitzel mit einer Größe von maximal zehn Zentimetern vom Biomasselager in das BMHKW. Je nach gewünschter Dampfleistung des Biomassekessels handelt es sich dabei um fünf bis dreißig Tonnen Altholz pro Stunde. Das erste Altholz erreichte BS Energy bereits Ende Juli. BS Energy arbeitet hier mit seinem Mehrheitsgesellschafter Veolia zusammen. Die Veolia Umweltservice GmbH wird das für die neuen Anlagen notwendige Altholz zuerst aus Hannover und, nach Fertigstellung der neuen Altholzaufbereitungsanlage, aus Lengede liefern.

Neben der Förderbrücke wurden bereits sechs Rohr- und zwei Kabelbrücken im Rahmen des Erzeugungsprojektes errichtet. Diese transportieren Medien wie Strom, Dampf, Fernwärme, Kühlwasser, Löschwasser und Kondensat. Die hierfür verlegten Rohrleitungen nehmen eine Länge von insgesamt 7,5 Kilometern ein. Für die Rohrbrücken selbst wurden etwa 600 Tonnen Stahl verbaut und vorab 54 Fundamente in verschiedenen Größen errichtet.

29. Juli 2022 – Das erste Altholz ist da

Ende Juli wurde das erste Altholz für das neue Biomasseheizkraftwerk von BS|ENERGY auf das Gelände des HKW Mitte geliefert. Sechs LKW transportierten dabei die ersten 120 Tonnen in das dafür vorgesehene Lager. Veolia steht BS|ENERGY dabei als starker Partner zur Seite und wird auch künftig die benötigte Menge Altholz liefern.

03. März 2022 – Die Gasturbine ist da

Nach einem mehrtägigen Sondertransport erreichte das Herzstück des im Bau befindlichen Gasturbinen-Heizkraftwerkes das Geländes des HKW Mitte von BS|ENERGY in der Nacht vom 02. auf den 03. März.

Im schwedischen Finspang gestartet, nahm die Gasturbine ihren Weg über die Ost- und Nordsee, weiter durch den Mittellandkanal und anschließend als Schwertransport auf den Straßen Braunschweigs. Nach dem Transport wurde in mehrstündiger Maßarbeit die fast 75 Tonnen schwere Turbine in das neue Kraftwerksgebäude an der Oker eingebaut. Dabei wurde die über 12 Meter lange und über vier Meter hohe Turbine zunächst neben das vorbereitete federgelagerte Fundament positioniert und dann mittels eines speziellen mobilen Kransystems Millimeter für Millimeter auf die finale Position platziert. Bei all dem ist höchste Präzision gefragt, da die Turbinenkomponenten am Ende auf den Hundertstelmillimeter genau zueinander ausgerichtet und verbunden werden müssen, um einen störungsfreien Betrieb zu ermöglichen.

Ein weiteres Herzstück des neuen Gasturbinen Heizkraftwerkes, der Abhitzewärmetauscher, wurde bereits im November letzten Jahres geliefert. In den kommenden Monaten wird das Projektteam nun die Gasturbine fertig installieren und mit dem Abhitzekessel zu einer Einheit verbinden mit dem Ziel, die Gesamtanlage ab Herbst dieses Jahres zu erproben und in Betrieb zu nehmen.

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25. November 2021 – Schwerlasttransport BMHKW

In der Nacht vom 24. auf den 25. November wurden weitere Bauteile für das neue Biomasseheizkraftwerk von BS|ENERGY von Salzgitter zum Heizkraftwerk Mitte transportiert. Der Transport erfolgte zunächst per Schiff zum Braunschweiger Hafen und nahm von dort seinen Weg als Schwertransport in die Hamburger Straße. Auf der gleichen Route wurde im April bereits der sogenannte “Loop Seal” transportiert.

Bei den Bauteilen handelt es sich um drei verschiedene Aschesilos mit einem Gewicht von 15 bis 18 Tonnen, einer Länge von 14 bis 17 Metern und einem Durchmesser von je ca. 4,7 Metern. Die Silos dienen später in dem im Bau befindlichen Biomasseheizkraftwerk der Zwischenlagerung diverser Aschen, die im Verbrennungsprozess der Strom- und Wärmeerzeugung entstehen.

In den vergangenen Wochen sind bereits mehrere Anlieferungen per Sondertransport eingetroffen: Aus Tschechien kamen beispielsweise die mehr als 65 Tonnen schwere Dampfturbine des Biomasse-HKW sowie der Abhitzewärmetauscher und der Kamin des Gasturbinen-HKW.

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16. November 2021 – Schwerlasttransport GTHKW

In einem Konvoi aus sechs Schwerlasttransportern erreichte in der Nacht vom 15. auf den 16. November eine wichtige Komponente des neuen Gasturbinenheizkraftwerkes (GTHKW) das Heizkraftwerk Mitte von BS Energy. Dafür war es beispielsweise notwendig, die Oberleitungen der Straßenbahn sowie Ampelanlagen in der Hamburger Straße vorübergehend zu demontieren.

Beim Hersteller in Tschechien gestartet, reiste der sogenannte Abhitzewärmetauscher per Binnenschiff über die Elbe und diverse Kanäle bis zum Braunschweiger Hafen. Dieser setzt sich aus sieben Modulen zusammen, die bis zu 100 Tonnen aufweisen. Neben der Gasturbine ist der Abhitzewärmetauscher das zweite Herzstück des neuen GTHKW. Er dient zur Erzeugung von Heißwasser für das Braunschweiger Fernwärmenetz.

Ende November wird der dazugehörige Kamin erwartet, der fünf Teile umfasst und später zusammen mit dem Abhitzewärmetauscher eine Höhe von 50 Metern einnehmen wird. BS Energy setzt in seinem Erzeugungsprojekt auf den Einsatz von unterschiedlichen Energieträgern. Neben Gas wird vor allem Altholz eingesetzt. Für das dazugehörige Biomasseheizkraftwerk sind in den kommenden Wochen ebenfalls mehrere Sondertransporte mit weiteren Anlagenteilen geplant.

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10. September 2021 – Richtfest

Mit traditionellem Richtspruch und -kranz, Dank an Projektteam und alle Bauarbeiter sowie guten Wünschen für die Zukunft feierte BS|ENERGY am 10. September 2021 Richtfest am Rohbau des künftigen Biomasse-Lagers für Altholz.

Der Rohbau des Biomasse-Lagers ist rund 20 Meter hoch, 30 Meter breit, 100 Meter lang und fasst etwa 15.000 Kubikmeter Altholz. Um die Versorgung mit dem Brennstoff Altholz künftig sicherzustellen, hat BS|ENERGY bereits einen langfristigen Liefervertrag abgeschlossen.

Neben dem Biomasse-Lager entsteht zeitgleich das Biomasse-Heizkraftwerk: Um den rund 50  Meter hohen Treppenhausturm wächst kontinuierlich die Stahlkonstruktion des Gebäudes in die Höhe. Auf dem Fundament des Gasturbinen-Heizkraftwerks, das am westlichen Teil des Geländes gebaut wird, haben erste Betonwände bereits eine Höhe von 25 Metern erreicht.

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15./16. April 2021 – Schwerlasttransport Loop Seal

Für den Ausstieg aus der Energieerzeugung mit Kohle ist in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2021 das größte Bauteil des neuen Biomasse-Kessels per Schwerlasttransport vom Braunschweiger Hafen zum Heizkraftwerk Mitte von BS|ENERGY transportiert worden. Dafür war es beispielsweise notwendig, die Oberleitungen der Straßenbahn an der Hamburger Straße abzubauen.

Der Transport des 8,4 Meter langen, 5,2 Meter breiten und 5,9 Meter hohen Bauteils mit einem Gewicht von 39 Tonnen startete bereits am 2. Februar beim Hersteller Valmet in Finnland und musste aufgrund der zwischenzeitlichen Kälte und nicht befahrbarer Schifffahrtswege pausieren. Am 1. März wurde der so genannte Loop Seal im Braunschweiger Hafen entladen.

Dieses Bauteil ist das Herzstück des im Bau befindlichen Biomasse-Heizkraftwerks, das gleich nach seiner Ankunft am Heizkraftwerk Mitte an Ort und Stelle auf dem vorgesehenen Platz aufgestellt wird.

05. März 2021 – Treppenhausturm für Biomasse-HKW errichtet

Nach rund zwei Wochen reiner Bauzeit ist der Rohbau des 47 Meter hohen Treppenhausturms im künftigen Biomasse-Heizkraftwerk auf dem Gelände des Heizkraftwerks Mitte an der Hamburger Straße fertiggestellt worden. Möglich war das durch ein Spezialverfahren: Bei der so genannten Gleitschalung wird im 24-Stunden-Schichtbetrieb ununterbrochen Beton in die Schalung gegossen. Der Beton härtet aus, während die Schalung kontinuierlich nach oben gezogen wird. Diese Methode ist nicht alltäglich im Einsatz. Der Turm wuchs hierdurch pro Tag etwa fünf Meter und ragte schnell in die Höhe. Rund 540 Kubikmeter Beton sowie 70 Tonnen Bewehrung als Verstärkungsmaterial wurden dafür verwendet.

01. Februar 2021 – Containerdorf auf dem HKW-Gelände entsteht

In insgesamt 48 Baucontainern auf drei Etagen wird künftig die Modernisierung der Braunschweiger Erzeugungsanlagen koordiniert mit dem Ziel, mit einer neuen Erzeugungsstrategie aus der Kohle auszusteigen.

Ab 1. Februar zieht nach und nach ein Teil des Bauleitungs- und Projektteams mit insgesamt 30 Mitgliedern in die Bürocontainer ein. Künftig ist dort, auf dem ehemaligen Areal des Straßenbahndepots unmittelbar an der Hamburger Straße, auch die Zufahrt für die Baustelle zu finden. Neben der Zugangskontrolle ist in dem rund 32 Meter langen Komplex auch das Corona-Testcenter für alle Projektbeteiligten sowie Schulungsräume für Sicherheitsunterweisungen untergebracht – alles unter Beachtung der geltenden, strengen Infektionsschutzmaßnahmen und Hygieneregeln. Ab Sommer werden hier täglich zwischen 600 bis 700 Personen ein- und ausgehen. Die hohe Anzahl der Personen veranschaulicht die Größe des Vorhabens, im regulären Kraftwerksbetrieb arbeiten im Gegensatz dazu pro Tag etwa 100 Mitarbeiter auf dem Gelände.

Dezember 2020 bis Februar 2021 – Erste Tiefbau- sowie Betonierarbeiten

Ende Dezember 2020 starteten erste Tiefbau- sowie Betonierarbeiten auf dem Gelände des Heizkraftwerks Mitte, bei denen Baugruben ausgehoben und die Bodenplatten für die Neubauten gegossen wurden.

Die Bauarbeiten erfolgen auf engem Raum parallel zu den laufenden Erzeugungsanlagen und dürfen keinstenfalls die Versorgungssicherheit von BS|ENERGY stören. Dem wurde Rechnung getragen u.a. durch ein Monitoring der Bodenerschütterungen. Bei Maßnahmen zur Baugrundverbesserung wurden daher mit Vollverdrängungspfosten ein erschütterungsarmes Bohrverfahren eingesetzt um Beeinträchtigungen zu vermeiden.

03. August 2020 – Grünes Licht für Baubeginn

BS|ENERGY kann mit den Baumaßnahmen für die Modernisierung seines Kraftwerksparks starten und läutet damit den Ausstieg aus der Energieerzeugung mit Kohle ein.

Das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig hat dem Energieversorger die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn erteilt. „Wir sind froh, dass wir nun die Zulassung des Baubeginns von der Behörde haben, zumal wir wegen der Förderung enormen Zeitdruck haben.“, sagt Paul Anfang, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von BS|ENERGY.

Bislang hat BS|ENERGY das Gelände des Heizkraftwerks Mitte an der Hamburger Straße für die Baumaßnahme vorbereitet: Um Platz zu schaffen, wurden nicht mehr benötigte Bauten abgerissen. Dazu gehörten ein Lagergebäude, ein Kühlturm einer nicht mehr benötigten Turbine und ein Heizöltank. Darüber hinaus erfolgten Bombensondierungen auf den neu zu bebauenden Flächen. Zudem wurde am Radweg an der Oker der Gasnetzanschluss für das neu zu errichtende Gasturbinen-Heizkraftwerk gelegt. In den kommenden Wochen wird für die Fundamente der neuen Anlagen der Boden ausgehoben und abtransportiert.

29. April 2020 – BS|ENERGY hat Genehmigungsantrag eingereicht

Es geht weiter bei der Modernisierung der Energieerzeugung in Braunschweig: Den Antrag auf 1. Teilgenehmigung hat BS|ENERGY beim Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig eingereicht.

In der Kurzbeschreibung sind die wesentlichen Punkte des Antrags zusammengestellt.

Der komplette Antrag findet sich ab 6. Mai auf der Homepage des Gewerbeaufsichtsamts Braunschweig. Darin enthalten ist auch der Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Eine Pflicht zur Durchführung einer UVP besteht zwar nicht, BS|ENERGY hat diese auf freiwilliger Basis gestellt.

24. April 2020 – Viel los auf dem Gelände des Heizkraftwerks Mitte

Aktuell wird das Gelände des Heizkraftwerks Mitte für die Baumaßnahme vorbereitet: Dazu gehören Abrissarbeiten von nicht mehr benötigten Bauten (ein Lagergebäude, ein Kühlturm einer nicht mehr benötigten Turbine und ein Heizöltank) sowie Bombensondierungen auf den neu zu bebauenden Flächen. Außerdem wird bereits ein neuer Zug in den 200-Meter-Schornstein eingebracht.

Biomasse-Heizkraftwerk im Bau
Biomasse-HKW
Biomasse-Lager im Bau
Biomasse-Lager
Gasturbinen-Heizkraftwerk im Bau
Gasturbinen-HKW

Weitere Eindrücke des Baustellenfortschritts Video ansehen

Das Konzept: Biomasse und Gasturbine

Mit der Kombination aus einem Biomasse- und einem Gasturbinen-Heizkraftwerk kann BS|ENERGY äußerst flexibel und unabhängig auf alle Anforderungen des Energiemarktes reagieren. Wir sichern aber nicht nur die Strom- und Wärmeversorgung. Darüber hinaus leisten wir auch einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität und zur Senkung der Emission von Luftschadstoffen (siehe FAQs).

Durch die Modernisierung der Erzeugungsanlagen verbessert sich der Primärenergiefaktor in Braunschweig von 0,7 auf 0,27 (Zertifikat). Der weiter verbesserte Primärenergiefaktor bei der Fernwärme wirkt sich auch positiv für Immobilienbesitzer aus, da dieser beispielsweise die Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen erleichtert. Gleichzeitig verbessern sich so die Fördermöglichkeiten von Neukunden und Bestandskunden durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Biomasse-Heizkraftwerk:
recycelte Wärme aus Holz

Maßnahme:

Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks (Hauptbrennstoff Altholz) zur Strom- und Wärmeerzeugung bestehend aus Kesselanlage und Dampfturbine sowie eines Brennstofflager-Gebäudes. Die geplante Fernwärmeleistung liegt bei 53 MWth; die elektrische Leistung des geplanten Heizkraftwerks beträgt 22 MW. Das entspricht dem Wärmebedarf von etwa 50.000 Braunschweiger Haushalten.

Die Anlage deckt die Grundlast und läuft ganzjährig. Im Biomasse-Heizkraftwerk kommen im Wesentlichen Altholz der Klassen A II bis A IV sowie kleinere Mengen Landschaftspflegeholz und Siebüberläufe als Brennstoff zum Einsatz (weitere Informationen hierzu finden Sie in den FAQs). Bei der Verbrennung des Holzes wird nicht mehr Treibhausgas freigesetzt als das Holz bei seinem Wachstum aufgenommen und gespeichert hat. Die energetische Nutzung von Holz erspart der Umwelt daher große Mengen an Kohlendioxid bei der Strom- und Wärmeerzeugung.

Illustration Heizkraftwerk

Eckdaten zu der geplanten Anlage:

Kessel

  • Hersteller: Valmet
  • Typ: Zirkulierende Wirbelschicht
  • Brennstoffverbrauch: 85 MW*
  • Parameter: 76 bar, 525° Dampftemperatur, ca. 97t/h Dampf
  • Brennstoffnutzungsgrad: 91%

Dampfturbine

  • Hersteller: Siemens
  • Typ: Gegendruckturbine
  • Parameter: 22 MWel, 53 MWth*

Gesamtanlage

  • Elektrischer Wirkungsgrad: 28%
  • Brennstoff-Nutzungsgrad: 88%

*bei ISO-Bedingungen

Vorteile eines Biomasse-Heizkraftwerks mit dem Hauptbrennstoff Altholz:

  • Energetisch sinnvolle Nutzung unterschiedlicher regional anfallender Mengen (Altholz, Siebüberläufe sowie wenn verfügbar Holz aus der Landschaftspflege)
  • Brennstoff ist günstig und klimafreundlich
  • Altholz ist kurz-, mittel- und langfristig in ausreichenden Mengen verfügbar
  • Die Energieerzeugung aus Biomasse in Braunschweig bekommt eine höhere Qualität: Altholz, das bisher weitgehend alten Anlagen nur zur Stromerzeugung genutzt wird, kann in dieser effizienten Variante zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden (KWK)
  • Deutliche Verbesserung des Primärenergiefaktors

Funktionsweise des Biomasse-Heizkraftwerks

Das Holz wird in einem geschlossenen Lagergebäude mit Luftfilter aufbewahrt. So gelangen weder Staub noch unangenehme Gerüche nach außen. Im Lager erfolgt auch eine mechanische Aufbereitung für die Verbrennung. Dabei werden zum Beispiel Metallteile aussortiert. Anschließend wird das Holz in einem Biomassekessel bei 850 – 950 °C verbrannt. Das heiße Abgas erhitzt in einem Kessel Wasser. Der entstehende Wasserdampf treibt eine Dampfturbine an, die mit einem Generator zur Stromerzeugung gekoppelt ist. Der Abdampf der Dampfturbine heizt Fernwärme-Wasser auf. Somit wird der mit Holz erzeugte Wasserdampf doppelt genutzt: einmal für die Stromerzeugung und einmal für die Wärmegewinnung. Das erhöht den Wirkungsgrad des Kraftwerks (Kraft-Wärme-Kopplung).

Weil im verwendeten Altholz geringe Mengen an Schadstoffen enthalten sind, wird das Heizkraftwerk den sehr strengen Anforderungen der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) entsprechen. Durch die hohen Temperaturen bei der Verbrennung werden die meisten Schadstoffe sofort verbrannt. Den Rest übernimmt eine mehrstufige Rauchgasreinigung nach dem neuesten Stand der Technik.

Die geplante Anlage ist hocheffizient nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG).

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Gasturbine: flexibel mit Brennstoff Erdgas

Maßnahme:

Bau eines Gasturbinen-Heizkraftwerks (GTHKW) mit Abhitze-Wärmetauscher zur Strom- und Fernwärme-Erzeugung. Die geplante Fernwärmeleistung liegt bei 72 MWth. Die elektrische Leistung des geplanten Gasturbinen-Kraftwerks beträgt 61 MWel.

Die Anlage unterstützt die Erzeugung vor allem in der kälteren Jahreszeit.Gasturbinen-Heizkraftwerke können sehr flexibel eingesetzt werden. Dies hat große Vorteile in einem Umfeld mit zunehmender, oft wechselnder Einspeisung von Wind- und Solarstrom. Weitere Informationen hierzu sind in den FAQs zu finden. Neue Gas-Heizkraftwerke werden – insbesondere als Ersatz für Heizkraftwerke auf Kohlebasis – von der Bundesregierung deshalb besonders gefördert, wodurch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen sichergestellt ist.

Illustration 3D Modell Heizkraftwerk

Eckdaten zu der geplanten Anlage:

Gasturbine

  • Typ: SGT 800 C1
  • Hersteller: Siemens
  • Brennstoffverbrauch 151 MW*
  • Parameter: 61 MWel*

Abhitzewärmetauscher

  • Hersteller: Siemens
  • Typ: Wasserrohrkessel
  • Parameter: 72 MWth

Gesamtanlage

  • Elektrischer Wirkungsgrad: 40%
  • Brennstoff-Nutzungsgrad: 87%

*bei ISO-Bedingungen

Vorteile des Gasturbinen-Heizkraftwerks

  • Schnellstartfähig – nur wenige Minuten bis zur Volllast
  • Leistung kann in kurzer Zeit über große Bereiche hoch oder herunter geregelt werden
  • durch gemeinsame Erzeugung von Strom und Fernwärme (KWK) hoher Wirkungsgrad und hohe Brennstoffausnutzung
  • Bauzeit und Investitionskosten geringer als bei anderen Kraftwerken

Funktionsweise des Gasturbinen-Heizkraftwerks

Das Herz des Gasturbinen-Heizkraftwerk ist die Gasturbine. Eine Gasturbine funktioniert ähnlich wie das Triebwerk eines Düsenflugzeugs: In der Brennkammer der Gasturbine wird die im Verdichter komprimierte Luft mit Erdgas vermischt. Das durch die Verdichtung bereits heiße Gemisch wird verbrannt und setzt über die Schaufelräder im anschließenden Turbinenteil einen Generator in Bewegung. Dieser erzeugt Strom. Das nach der Turbine noch heiße Abgas erwärmt in einem Abhitze-Wärmetauscher das Fernwärme-Wasser. Somit wird der Brennstoff Erdgas doppelt genutzt: einmal für die Stromerzeugung und einmal für die Wärmegewinnung. Das erhöht den Wirkungsgrad des Kraftwerks.

FAQs

Allgemeines

Ist Fernwärme überhaupt noch zeitgemäß?

Ja, Fernwärme ist noch zeitgemäß, da es eine von der Erzeugung unabhängige Wärmequelle ist. Auch die Bundesregierung sieht sie als einen Hauptpfeiler der Wärmewende.

Flexible Fernwärme-Systeme sind ein tragender Pfeiler für die zukünftige Energieversorgung. Sie sind – auch nach Ansicht der Bundesregierung – Stützen für die Versorgungssicherheit und ein wichtiger Hebel, um die CO2-Emissionen auf dem Wärmemarkt zu reduzieren. Ein besonderer Vorteil ist, dass die Wärme beim Kunden unabhängig von der Erzeugungstechnologie genutzt werden kann. Die Erzeugung kann daher an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden, ohne dass der Wärmekunde seine Heizung verändern muss.

Außerdem erlauben flexible Wärmenetze – wie das Netz von BS|ENERGY in Braunschweig mit seinen drei Speichern – die Speicherung von großen Energiemengen. So können die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen Strom produzieren, wenn gerade keine Sonne scheint und Photovoltaik-Anlagen keinen Strom produzieren, die Wärme aber erst dann abgeben, wenn unsere Kunden es warm haben wollen. Und wenn ganz viel Wind weht, kann in den Wärmespeichern sogar überschüssiger Strom in Form von Wärme gespeichert werden.

Wird die Fernwärme durch das neue Erzeugungsmodell teurer?

Voraussichtlich nicht, da die Kosten von Altholz vergleichbar sind mit den Kosten für Steinkohle.

Das Modell Biomasse und Gasturbine wurde auch hinsichtlich der Wärmekosten für die Kunden analysiert. Es hat bei der Analyse sehr gut abgeschnitten, da es auf günstige Energiequellen setzt. Zu beachten ist, dass Brennstoffpreise am Markt ständigen Schwankungen unterliegen, jedoch ist eine Erhöhung der Wärmepreise aufgrund der Zukunftsstrategie zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten.

Darüber hinaus sind Energieversorger bei der Preisfestsetzung nicht unabhängig: Der Fernwärmepreis unterliegt einer staatlichen Aufsicht, die bei überdurchschnittlich hohen Preisen einschreitet.

Was habe ich als Hausbesitzer von einem besseren Primärenergiefaktor?

Ein niedriger Primärenergiefaktor erzeugt automatisch eine bessere Energiebilanz für Haushalte.

Um den Klimawandel zu verlangsamen und natürliche Ressourcen zu schonen, ist in Deutschland festgelegt, wie viel Energie ein Gebäude benötigen darf. Dabei wird über den Primärenergiefaktor auch berücksichtigt, welche Klimaauswirkungen durch den eingesetzten Energieträger entstehen. Ein Hausbesitzer hat daher die Möglichkeit, den Primärenergiebedarf des Gebäudes zum Beispiel über zusätzliche Dämmung oder die Auswahl eines Energieträgers mit niedrigem Primärenergiefaktor zu verringern. Wenn dieser für die Fernwärme aufgrund anderer Erzeugungsanlagen sinkt, profitieren alle Immobilienbesitzer und indirekt auch Mieter davon, da bauliche Investitionen dadurch vermieden werden können.

Wann sollen Biomasse- und Gasturbinen-Heizkraftwerke fertig sein?

Die neuen Erzeugungsanlagen werden im Jahr 2022 ans Netz gehen. Im Anschluss sollen dann Altanlagen Stück für Stück stillgelegt werden.

Warum müssen die neuen Anlagen bis 2022 am Netz sein?

Um die Förderung der Bundesregierung nutzen zu können, müssen wir bis 2022 am Netz sein.

Die Bundesregierung fördert aktuell die Modernisierung von Energieerzeugungsanlagen, vor allem die von BS|ENERGY geplanten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), mit denen gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt wird. Um diese Förderung nutzen zu können, müssen die neuen Anlagen bis 2022 am Netz sein.

Wo werden die neuen Heizkraftwerke gebaut?

Die neuen Anlagen (Biomasse-Heizkraftwerk und Gasturbinen-Heizkraftwerk) werden auf dem Gelände des Heizkraftwerkes an der Hamburger Straße gebaut.

Welche Rolle spielt die Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) im künftigen Erzeugungskonzept?

Die Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) bleibt in ihrer jetzigen Form erhalten, Ihre Effizienz wird aber durch neue Bauteile gesteigert.

Die Anlage wurde erst 2010 in Betrieb genommen und ist das modernste Kraftwerk im Anlageportfolio. Unser Lieferant Siemens hat aus der Forschung neuste Erkenntnisse gewonnen, die in der Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) Anwendungen finden: durch einen Austausch der Turbinenschaufeln kann die Leistung gesteigert werden. Dies wird im Rahmen des Projektes E2030 umgesetzt. Auch wird die Dampfturbine der GuD mit der Dampfturbine des BM-HKW verbunden, um die Flexibilität zu steigern.

Warum soll das Kraftwerk weiterhin in der Stadt liegen?

Durch das bereits vorhandene Fernwärmenetz ist es strategisch und wirtschaftlich effizienter, das Kraftwerk am sternförmigen Knotenpunkt Kraftwerk Mitte zu belassen.

Für einen wirtschaftlichen und effizienten Betrieb des Fernwärmenetzes mit seinem sternförmigen Aufbau hat ein zentraler Produktionsstandort einen großen Vorteil. Andernfalls wären hohe Investitionen in neue Leitungen notwendig.

Zudem bleibt die Gas- und Dampfturbinen-Anlage am Standort Mitte eine wichtige Säule der modernisierten Erzeugung, so dass an der Hamburger Straße die bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden kann.

Biomasse-Heizkraftwerke und Gasturbinen-Heizkraftwerke verschmutzen doch die Luft ähnlich wie Kohlekraftwerke, oder?

Nein. Mit den neuen Anlagen leisten wir einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität und zur Senkung der Emission von Luftschadstoffen für Braunschweig. Die emittierten Schadstoffmengen werden wir signifikant reduzieren.

Hat BS|ENERGY überhaupt ausreichend emissionsfreie Alternativen geprüft? Wurde diese Variante nur umgesetzt, weil andere nicht wirtschaftlich sind?

BS|ENERGY hat in seinem Strategieprojekt alle möglichen Primärenergieträger geprüft und mit dem jetzigen Konzept den bestmöglichen Kompromiss aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit erzielt.

Im Rahmen der Strategieentwicklung – begonnen haben wir damit bereits 2014 – haben wir 2016 ein großes Projekt mit vielen verschiedenen internen Experten und externe Beratern gestartet. In diesem Projekt haben wir alle möglichen Primärenergieträger geprüft. Mit Altholz, Erdgas und Überschussstrom machen wir schon jetzt einen riesigen Schritt. Der Einsatz von anderen erneuerbaren Energieträgern lässt sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen für ein Fernwärmenetz dieser Größe und mit den Anforderungen unserer Kunden an eine ausreichende Temperatur des von uns gelieferten heißen Wassers weder so schnell, noch mit der hohen Versorgungssicherheit, noch so kostengünstig, noch ohne negative Umweltauswirkungen umsetzen. Im Detail haben wir Solarthermie, Geothermie, Wärmepumpen (dezentral und zentral), Abwärme, ausschließlich Erdgas und Frischholz geprüft und zentrale und dezentrale Aufstellungskonzepte analysiert.

Insbesondere bei dem Einsatz erneuerbarer Energieträger werden wir aber dranbleiben und auch weitere ganz andere Alternativen im Detail analysieren. Hier gehen wir davon aus, dass Forschung und Entwicklung in den nächsten Jahren große Fortschritte machen. Auch hoffen wir, dass die aktuell teilweise sehr hinderlichen politischen Rahmenbedingungen (z .B. bei Wärmepumpen und Wasserstoffelektrolyse) verbessert werden. Leider ist noch unklar, in welche Richtung die Präferenz des Gesetzgebers gehen wird. Klar ist jedoch, dass fast alle erneuerbaren Energiequellen sehr gut in unser Konzept integriert werden könnten und sich in Zeiten viel Wind und Sonne und daraus resultierenden Stromüberschüssen perfekt ergänzen.

Wieso ist das Erzeugungskonzept nicht längst schon umgesetzt?

2016 war genau der richtige Zeitpunkt, um anzufangen. Wir haben unsere Arbeit ordentlich gemacht und dafür Zeit benötigt.

Mit dem Bau des Kohlekraftwerkes im Jahr 1984 – damals ausgelegt auf Kohle aus dem Rheinland – waren wir schon Vorreiter bei der möglichst effizienten Nutzung der Brennstoffe, da wir Strom und Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt haben.

Mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz und dem Beschluss zum Kernenergieausstieg ist in Deutschland in der Energiewirtschaft eine neue Epoche angebrochen. Viele Energieversorger haben auf die damals erwarteten Kapazitätslücken mit dem Bau von Kohlekraftwerken (beispielsweise in Hamburg, Mannheim oder Karlsruhe) reagiert. Wir fanden das aber etwas zu kurzsichtig.

2010 haben wir mit der Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) einen riesigen Schritt gemacht, um Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung weniger aus Kohle, und mehr aus Erdgas zu erzeugen.

Lange waren aber die Rahmenbedingungen nach der Finanzkrise 2008 unsicher. Der CO2-Preis als wichtiges politisches Steuerelement lag bei 4 Euro pro Tonne (heute 25 Euro pro Tonne). 2016 haben wir uns trotzdem entschlossen, mit großen Schritten voranzugehen und ein umfangreiches Projekt aufgesetzt. Aber solche Projekte brauchen Zeit, um eine Entscheidung in der notwendigen Qualität und Detailtiefe vorzubereiten.

Welche Technologien werden von BS|ENERGY als Beiträge zur Energiewende (CO2-freie Strom- und Wärmegewinnung) künftig eingesetzt?

Wir müssen und werden nach unserem aktuellen großen Umbau weitere Schritte zur vollständigen Dekarbonisierung unserer Wärme- und Stromversorgung gehen. Denn auch wir wollen das Ziel der Bundesregierung mitgehen, bis 2050 unsere CO2-Emissionen auf 0 zu reduzieren.

2050 wird die Welt eine andere sein. Die Stromversorgung wird durch die Einspeisung von immer mehr Wind und Sonne immer volatiler (unbeständiger). Gleichermaßen werden wir uns mehr und mehr – auch in Sektoren wie Verkehr oder Raumheizung, die in der Vergangenheit auf fossile Energieträger gesetzt haben – auf diesen erneuerbaren Strom verlassen müssen (Fachbegriff „Sektorkopplung“): Beispielsweise wird die Elektrifizierung des Verkehrs mit Batterien und Wasserstoff deutlich fortgeschrittener sein. Auch Heizungen, die nicht an das Fernwärmenetz angeschlossen sind, werden mehr und mehr über Wärmepumpen in Verbindung mit Solarkollektoren betrieben, und damit mehr Strom benötigen.

Die Anlagen, die wir jetzt neu errichten, passen perfekt in diese Zukunft. Unser Biomasse-Heizkraftwerk mit Hauptbrennstoff Altholz (BM-HKW) liefert schon jetzt CO2-freie Wärme und der CO2-Rucksack des Gasturbinen-Heizkraftwerks (GT-HKW) ist schon deutlich kleiner als der des Kohlekraftwerks. Zukünftig könnte die Gasturbine des GT-HKW auch nach kleinen Anpassungen mit einem großen Anteil an erneuerbarem Wasserstoff im Erdgas ohne Probleme Strom produzieren. Solange noch aus Braunkohle-Kraftwerken Strom ins Netz eingespeist wird, bedeutet Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas eine hohe CO2-Einsparung in der Stromerzeugung, weil dieser Strom verdrängt wird.

Zukünftig werden wir in Zeiten von Übereinspeisung, das heißt bei viel Wind und Sonne, versuchen, nur wenig Strom zu produzieren und dafür aus Strom oder Abwärme Wärme zu erzeugen. Hier einige Ideen:

  • Es könnte z.B. sehr gut sein, dass wir am Standort des Heizkraftwerks Nord aus dem Strom, der um Braunschweig verteilten Windkraftanlagen Wasserstoff (Fachbegriff: „Elektrolyse“) und dann ggf. noch aus diesem Wasserstoff grünes Erdgas (Fachbegriff: „Power2Gas“) produzieren. Bei der Produktion von Wasserstoff wird viel Wärme mit hoher Temperatur frei, die sehr gut ins Fernwärmenetz eingespeist werden könnte. Mit dem Wasserstoff könnten wir eine Wasserstofftankstelle für die Autobahn A2 für Wasserstoff-LKW einrichten oder den Wasserstoff in das Gasnetz einspeisen, wo er in bestehenden Gasspeichern gespeichert werden kann. Erste Wasserstoff-Züge sind bereits im Bundesgebiet unterwegs.
  • Und wenn Salzgitter seinen Hochofen für Stahlerzeugung von Eisenerz und Kohle auf Eisenerz und aus erneuerbaren Energien gewonnenen Wasserstoff umgestellt hat, dann fällt dabei immer noch Abwärme an, so dass wir auch die Idee der Wärmeleitung nicht ganz aus dem Kopf lassen wollen.
  • Auch könnte es sehr gut sein, dass wir im Sommer, wenn die Oker sowieso recht warm ist, diese in Zeiten von Stromüberschuss mit Hilfe einer Wärmepumpe mit Strom aus Solarenergieanlagen etwas herunter kühlen, und dabei Wärme für die heiße Dusche am Morgen produzieren und unser Biomasseheizkraftwerk in den wenigen ganz heißen Monaten nicht betreiben.
  • Wenn die Forschungen etwas weiter sind, und es erste Erfahrungswerte über die Umweltverträglichkeit gibt, werden wir auch sicherlich über größere Solarthermieanlagen in Kombination mit saisonalen Wärmespeichern und ebenfalls Großwärmepumpen intensiver nachdenken
  • Auch Geothermiebohrungen schließen wir für die Zukunft auf keinen Fall aus, wenn hier die Bohrtechnologie günstiger geworden ist und eine Erdbebengefahr ausgeschlossen werden kann.

Insbesondere in Zeiten von wenig Sonne, wenig Wind und hohem Wärmebedarf im Winter werden unsere KWK-Anlagen aber auch noch 2050 perfekt in die Energieversorgung der Zukunft passen. Das Biomasse-Heizkraftwerk wird auch dann noch im Winter und in der Übergangszeit nachhaltige, günstige Wärme und Strom produzieren und das Gasturbinen-Heizkraftwerk sowie die Gas- und Dampfturbinen-Anlage werden es im Winter und in Zeiten von hohem Strombedarf perfekt ergänzen. Anmerkung: Die Zukunftsvision der „All-Electric-Society“ ganz ohne Erdgas nur mit Strom und Batterien ist nicht unumstritten. Verschiedene Studien zeigen, dass ein vermehrter Einsatz von grünem Gas aus Power2Gas-Anlagen u.a. in KWK-Anlagen insgesamt dazu beitragen kann, die Energiewendekosten zu reduzieren. Noch günstiger wäre es, wenn, Wasserstoff teilweise direkt in Erdgasnetze eingespeist werden könnte. Dafür müssten diese aber angepasst werden. Das neue Gasturbinen-Heizkraftwerk ist zu 100% für die Verbrennung von grünem Erdgas und mit leichten Umbauten auch für die Mischung aus Wasserstoff und grünem Erdgas geeignet.

Zentrale Wärmeversorgungsanlagen sind doch völlig aus der Zeit. Warum ist das Konzept von BS|ENERGY nicht dezentral aufgebaut?

Wir haben detailliert verschiedene dezentrale Konzepte geprüft, uns aber aus vier Gründen weiterhin für eine zentrale Lösung entschieden: Die Gründe sind höhere Flexibilität, höhere Effizienz, niedrigere Schadstoffemissionen und niedrigere Kosten.

Einige Stadtwerke zerschlagen zurzeit ihre Fernwärmenetze oder entwickeln diese dezentral. Dies liegt oft daran, dass diese nicht wie das Netz von BS|ENERGY kontinuierlich ausgebaut und erneuert wurden. So haben viele Städte noch antiquierte Dampfnetze statt des in Braunschweig in den 90er Jahren aufgebauten Heißwassernetzes.

Auch wir haben geprüft, unser Fernwärmenetz zu zerteilen und unter anderem an den Standorten Heizwerk West, Heizwerk Süd, Heizwerk Nord dezentrale Energie Effizienz Quartiere (EEQ) aufzubauen. Allerdings lassen sich daraus fast keine Vorteile generieren, lediglich ein geringer Wärmeverlust an den Hauptleitungen hätte vermieden werden können. Zentrale Lösungen haben aber in einem so verdichteten Raum wie Braunschweig besondere Vorteile:

  • Höhere Flexibilität: An einem zentralen Standort können viele unterschiedliche Erzeugungsanlagen gebündelt werden: Anlagen für die Grundlast und Anlagen für die Winter-Spitzenlast. Außerdem können an einem zentralen Standort bestmöglich Speicher eingesetzt werden.
  • Höhere Effizienz: Größere Anlagen haben einen besseren Wirkungsgrad und erlauben durch Bündelungseffekte in der Instandhaltung deutlich günstigere Wärmevertriebspreise.
  • Niedrigere Schadstoffemissionen: Die Anforderungen an größere EEQs und insbesondere kleinere Heizungsanlagen für Mietshäuser sind deutlich geringer als an große Anlagen. Während kleine dezentrale Hackschnitzelheizungen ohne Feinstaubfilter auskommen, wird der Staub im Kraftwerk durch zwei nacheinander liegende Filter um mindestens 99,9 % entfernt, Schadstoffe werden mit Aktivkohle und Calciumhydroxid (gelöschter Kalk) beseitigt und Stickoxide („NOx“) werden nach ähnlichen Verfahren beseitigt wie in modernen Diesel-PKW.
  • Niedrigere Wartungskosten: BS|ENERGY- Monteure müssen nicht den ganzen Tag durch das Stadtgebiet fahren, um kleine Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durchzuführen, sondern können dies gebündelt im HKW machen. Das macht es für uns und damit für unsere Kunden günstiger und entlastet obendrein den Verkehr.

Selbstverständlich setzen wir auf dezentrale Konzepte an Orten, die wir nicht zentral erschließen können. Auch hier sind wir mit unseren EEQs Ölper, Hungerkamp und zukünftig auch Heinrich-der-Löwe-Kaserne und Stöckheim-Süd Vorreiter.

Wieso nutzt BS|ENERGY keine Solarthermie für die Wärmeversorgung?

In Braunschweig gibt es nicht genügend Fläche, um den Bedarf durch Solarthermie zu decken.

Die dichte Bebauung im Stadtgebiet und die Anforderungen unserer Kunden an ganzjährig verfügbare, bezahlbare Wärme erlaubt in Braunschweig keine wirtschaftliche Nutzung von Solarthermie für den Einsatz in der Fernwärme oder in größeren Mietshäusern.

Solarkollektoren auf den Hausdächern bilden allerdings eine sehr gute Ergänzung für einen Teil der dezentralen Brauchwassererwärmung (Aufgabe der Vermieter und Hausbesitzer).

Für große Solarthermieanlagen benötigt man neben großen freien Flächen ausreichend dimensionierte saisonale Speicher, in denen im Sommer Wärme eingespeichert und im Winter ausgespeichert wird. In Versuchsprojekten wird dafür in einigen Fällen Grundwasser erhitzt. Weil die Temperaturen des „heißen“ Wassers im Winter nicht ausreichen, werden zusätzlich Wärmepumpen benötigt, um die Temperatur des Wassers für die Nutzung zu erhöhen. Angenommen, wir würden ähnliche Solarthermieanlagen verwenden wie in dem hochmodernen Solarpark Silkeborg in Dänemark, die für den Wärmebedarf von 80 GWh Wärme eine Fläche von ca. 150.000m² benötigen, dann bräuchten wir, um unseren Wärmeabsatz zu decken, über 1.500.000 m² Fläche (entspricht etwa der Größe von über 200 Fußballfeldern oder der Größe von 2,5 Prinzenparks in Braunschweig). Tatsächlich wären es aber im Winter unter 30 MW, wenn unsere Kunden fast 300 MW benötigen, im Sommer aber über 500 MW, wenn unsere Kunden „nur“ 30 MW benötigen. Aufgrund der Nutzungskonkurrenz mit landwirtschaftlicher Nutzung oder Naherholungsgebieten sind negative Umweltauswirkungen aus heutiger Sicht nicht auszuschließen. Hier müssen im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und den Behörden für die Zukunft Flächen identifiziert werden, um im insbesondere Sommer und der Übergangszeit unsere KWK-Anlagen bei der Bereitung von Heißwasser zu unterstützen. Solarthermie wird aber für die absehbare Zukunft eine Ergänzung bleiben.

Wieso nutzt BS|ENERGY keine Geothermie für die Wärmeversorgung?

Die geologischen Rahmenbedingungen in Braunschweig erlauben aktuell keine Nutzung von Geothermie in größerem Rahmen.

BS|ENERGY hat auch den Einsatz von größeren Tiefen-Geothermie-Anlagen (1000-3000 Meter) geprüft, wie sie beispielsweise in München eingesetzt werden.

Die geologischen Rahmenbedingungen erlauben in Braunschweig allerdings keine technisch machbare und wirtschaftlich vertretbare Nutzung von Erdwärme, weil kein Zugriff auf Aquifere (Grundwasserleiter) mit heißem Grundwasser in diesen Tiefen besteht. Technologien sind hier nur begrenzt erforscht, würden sich aber ähnlichen Bohrmethoden bedienen wie Fracking, um Wasser in das Gestein einzupressen. Bei ersten Probebohrungen bei anderen Projekten kam es dabei oft zu Erdbeben, so dass wir hier ebenfalls erhebliche Umweltauswirkungen nicht ausschließen können.

Wir hoffen aber, dass die Forschung und Entwicklung hier weiter voranschreitet und die Kosten für Bohrungen hier drastisch sinken und die Gründe für Erdbeben bei Bohrungen erforscht und gelöst werden, um auch auf diese Technologie in der Zukunft zugreifen zu können.  Bodennahe Geothermie (Erdsonden, Flächenkollektoren) kommt nicht ohne Wärmepumpen aus und es werden große freie Flächen benötigt.

Wieso nutzt BS|ENERGY keine Wärmepumpen für die Wärmeversorgung?

Wärmepumpen werden in Zukunft für die Wärmeversorgung eine wichtige Rolle spielen. In den nächsten 10 bis 15 Jahren steht allerdings noch nicht genug Strom, insbesondere für Hochtemperaturanwendungen zur Verfügung. Im Gegenteil: der Strom für Wärmepumpen in Neubaugebieten wird dann am Besten in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt.

Wärmepumpen funktionieren nach dem Betrieb „umgedrehter Klimaanlagen“. Sie nutzen Strom, um ein Medium (z.B. Wasser) an einer Stelle aufzuheizen und dafür an anderer Stelle diese Wärme aufzunehmen. Je geringer der Temperaturunterschied zwischen den Temperaturen von Wärmeabgabe und Wärmeaufnahme ist, desto effizienter sind Wärmepumpen. Deswegen werden sie im Neubau zusammen mit Fußbodenheizungen eingesetzt, bei denen das Heizmedium selten über 30°C warm ist. Im Idealfall erreichen diese eine Effizienz (COP) von 7, das heißt für 7 Einheiten Wärme wird nur eine Einheit Strom benötigt. Häufig liegen Wärmepumpen jedoch bei einer Effizienz von 4 bis 5.

Als „Quellen“ für die Wärme können dabei Luft, Wasser, Wasserleitungen im Boden, Wasserleitungen in Erdsonden genutzt werden. Der Wirkungsgrad ist dabei insbesondere bei Luft im Winter deutlich geringer, als z.B. bei Erdsonden, bei denen immerhin Wasser mit einer Temperatur von >5°C genutzt werden kann.

Der größte Teil unserer Kunden benötigt allerdings Wärme mit einer Temperatur von mehr als 90°C, weil die Heizkörper die Wohnungen sonst nicht „warm bekommen“. Mit Großwärmepumpen müssten wir dafür sehr viel Strom aufwenden, so dass die Wärme für unsere Kunden deutlich teurer würde.

Viel gravierender ist allerdings, dass diese Wärme vor allem im Winter benötigt würde, auch wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Der Strom müsste dann, weil noch nicht genügend Speicher existieren, in Stein- und Braunkohlekraftwerken erzeugt werden.

Aktuell verstehen wir unsere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen als Partner der Wärmepumpen in dezentralen Neubauten mit effizienten Fußbodenheizungen: Wenn diese viel Strom verbrauchen, produzieren wir viel Wärme und damit auch viel Strom in Kraft-Wärme-Kopplung. Wenn zukünftig mehr erneuerbarer Strom eingespeist wird, werden wir diese Entscheidung mit Sicherheit neu bewerten.

Wieso wurde die Abwärmeleitung nach Salzgitter nicht realisiert?

Das Szenario der Nutzung von Abwärme war eine sehr gute Idee, die wir sehr lange sehr weit ins Detail verfolgt haben. Letztendlich war die Kooperation mit der Salzgitter Flachstahl GmbH aber aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar und wir sind uns heute sicher, dass das nun realisierte Konzept aus der Gesamtsicht das für uns Beste ist.

Die Gründe:

  • Salzgitter produziert aktuell mit Kohle und Eisenerz Stahl: Kohle als Reduktionsmittel nimmt Sauerstoff aus Eisen und erzeugt daraus CO2, will aber zukünftig die Produktion auf Wasserstoff (Wasserstoff als Reduktionsmittel nimmt Sauerstoff aus Eisen und erzeugt daraus Wasser) umstellen. Noch ist aber unklar, wie viel Abwärme dabei frei wird. Bei der Produktion des Wasserstoffs wird zwar viel Abwärme frei, allerdings wäre es aufgrund der hohen Energiedichte viel einfacher, den Wasserstoff von Braunschweig nach Salzgitter zu transportieren.
  • Mit dem Bau unserer Leitung hätten wir jegliche negativen Umweltauswirkungen vermeiden wollen. Insbesondere bei der Querung von Flüssen und bei der Umgehung von Wäldern, Biotopen etc. Dies hätte das sehr viel Aufwand bedeutet, der die Leitung sehr teuer gemacht hätte.
  • Für die Sicherung der Strecken haben wir umfangreich mit ansässigen Landwirten und deren Verbänden verhandelt. Es ist uns aber nicht gelungen, sie davon zu überzeugen, dass die Leitung für ihre Felder unschädlich ist, auch wenn wir entstandene Schäden und die Nutzung selbstverständlich angemessen entschädigt hätten.
  • Bei der Salzgitter Flachstahl GmbH ist der größte Teil der Abwärme als Dampf vorhanden, der im Kraftwerk zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Zurzeit führt die Gesetzeslage dazu, dass es für die Salzgitter AG nicht wirtschaftlich ist, uns Ihre Wärme zu verkaufen, und Strom aus Erneuerbaren Energien zu kaufen, wenn sie selbst Strom produzieren kann. Dies ist sogar der Fall, wenn aus der Wärme nur mit sehr geringem Wirkungsgrad Strom produziert werden kann. Insofern hätten wir Salzgitter auch einen zwar fairen aber nicht unerheblichen Preis für die Wärme bezahlen müssen. Dies hätte es sehr schwer für uns gemacht, den Preis für Wärmekunden konstant zu halten.

Warum wurde nicht nur eine große neue Gasanlage errichtet?

Alternativ zu dem jetzigen modularen Konzept aus Biomasse-HKW und Gasturbinen-HKW wurden in der Strategiephase auch eine große Gas-KWK-Anlage (Entweder als Gasmotoren-HKW oder als großes neues Gas-und-Dampfturbinen-HKW) geprüft.

Erdgas spielt im neuen Erzeugungskonzept jetzt schon eine wichtige Rolle, ist aber im Gegensatz zu Altholz auch ein fossiler Energieträger. Außerdem können Gas-KWK Anlagen Strom und Wärme nur gleichzeitig produzieren. Speicher reichen nur für wenige Tage. In Wochen von viel Einspeisung aus Wind und Sonne muss so trotzdem weiter Strom produziert werden, der mehr und mehr zu Abregelungen insbesondere von Windkraftanlagen führt.

In unserem Erzeugungspark kann die Stromerzeugung und die Wärmeerzeugung entkoppelt werden. Der Biomassekessel kann flexibel eingesetzt werden. An Tagen,. an denen kein Strom benötigt wird, kann die Turbine abgeschaltet werden.

Bei der Verbrennung von Erdgas entsteht im Vergleich zu Kohle wesentlich weniger CO2 aber noch immer ca. 200 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde. Bei Altholz sind wir bei 0 da Holz nur so viel CO2 abgeben kann, wie es zuvor aufgenommen hat. Berücksichtigt man die Vorketten, d.h. Transport etc. liegen wir bei Holz nur bei 24,8 Gramm pro Kilowattstunde.

Wie zukunftsfähig ist das neue Erzeugungsprojekt ausgerichtet?

Mit der Modernisierung des Kraftwerksparks geht BS│ENERGY Schritt für Schritt in die klimaneutrale Zukunft. Dabei gilt: erneuerbare Energien brauchen auch in Zukunft flexible KWK-Kraftwerke als Partner, die die Energieversorgung stets sicherstellen. Mit unserem Erzeugungskonzept machen wir einen riesigen Schritt in Richtung Dekarbonisierung.

Für uns ist das Konzept des „CO2-Rucksacks“ wichtig. Das bedeutet: Wir müssen versuchen, möglichst schnell möglichst viel CO2-einzusparen, damit künftige Generationen keinen zu großen Rucksack mit sich tragen. Durch unsere Erzeugungsstrategie 2030 reduzieren wir unsere CO2-Emissionen bereits um 270.000 Tonnen auf dann 200.000 Tonnen. Mit Altholz werden wir rund 50 Prozent unserer Wärme fast ausschließlich aus einem regenerativen Energieträger erzeugen. Auch der CO2-Rucksack des Gasturbinen-Heizkraftwerks (GT-HKW) ist deutlich kleiner, als der des bestehenden Kohlekraftwerks, weil dieses deutlich effizienter ist und bei der Verbrennung von Erdgas weniger CO2 entsteht.

Für den Klimaschutz sind wir damit für den Standort Braunschweig und die Region ausgezeichnet aufgestellt. In Deutschland gehören wir zu den ersten, die den geforderten Kohleausstieg so frühzeitig auch umsetzen.

Um die Klimaerwärmung abzuwenden, denken wir jedoch auch weiter. Wir müssen und werden nach unserem aktuellen großen Umbau weitere Schritte zur vollständigen Dekarbonisierung unserer Wärme- und Stromversorgung gehen. Denn auch wir wollen das Ziel der Bundesregierung mitgehen, bis 2050 unsere CO2-Emissionen auf 0 zu reduzieren. Dabei strebt die BS│ENERGY Gruppe als Vorreiter in der Energiewirtschaft das strategische Ziel an, bis 2035 klimaneutral zu sein, um seinen Beitrag zum Pariser Abkommen zu leisten. Die Anlagen, die wir jetzt neu errichten, passen perfekt in diese Zukunft.

Um das zu verstehen, müssen wir gemeinsam versuchen einen Blick in die Zukunft zu werfen: In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Energiewelt weiter deutlich verändern müssen. Um eine wirkliche Dekarbonisierung zu erreichen müssen an allen Stellen fossile Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Das bedeutet auch, dass in Sektoren, in denen gegenwärtig viele fossile Energieträger eingesetzt werden zukünftig vermehrt auf Strom aus erneuerbaren Energien gesetzt wird. Z.B. im Verkehr oder der Gebäudeheizung (Fachbegriff Sektorkopplung). Elektroautos oder Wärmepumpen sind dabei gute Beispiele. Hierfür wird also noch mehr Strom benötigt. Dieser zusätzliche Bedarf und der Ersatz bestehender Braunkohle-, Steinkohle-. Und Atomkraftwerke wird dabei hauptsächlich durch den weiteren Zubau von Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen gedeckt werden können.

Die Stromproduktion wird dabei insgesamt aufgrund sich stetig verändernder Wetterlagen schwankender (Fachbegriff: volatiler). Einen Teil dieser Volatilität können wir durch eine Flexibilisierung des Strombedarfs gemeinsam mit den Kunden abfangen (Beispiel Smart Home). Aber nur mit effizienten, sehr großen Speichern und flexibleren Kraftwerken für die Deckung der Lücken wird die Stromversorgung zukünftig verlässlich bleiben. Mittlerweile sind sich Politik und Wissenschaft weitgehend einig, dass eine effiziente Speicherung in derartig großem Maßstab nur über einen Umweg möglich ist: in Zeiten von Stromüberschuss insbesondere im Sommer wird in sogenannten Elektrolyseuren aus Strom und Wasser „grüner Wasserstoff“ und in einem zweiten Schritt mit CO2 „grünes Erdgas“ erzeugt. Beides kann in das Erdgasnetz eingespeist werden. Im Erdgasnetz gibt es bereits große unterirdische Speicher über ganz Deutschland verteilt. Wenn Strom benötigt wird kann dieser wieder in Kraftwerken mit „grünem Erdgas-Wasserstoffgemisch“ erzeugt werden. Sowohl bei der Produktion von grünem Erdgas als auch bei der Wiederverstromung wird viel Wärme frei, die z.B. in Fernwärmenetzen genutzt werden kann. Deswegen fördert die Bundesregierung mit dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK) genau solche Kraftwerke und hat eine Wasserstoffstrategie entwickelt.

Und genau an diesem Punkt knüpfen wir an.

Zukünftig werden wir in Zeiten von Übereinspeisung, das heißt bei viel Wind und Sonne, nur wenig Strom selber produzieren und dafür Abwärme nutzen oder aus Überschuss-Strom Wärme erzeugen:

Wir hoffen dafür Partner zu finden, die in Braunschweig und Umgebung grünen Wasserstoff, grünes Erdgas oder andere Power-to-X-Produkte produzieren. Prozessbedingte Abwärme wollen wir im Fernwärmenetz nutzen.

Wir prüfen den Einsatz weiterer neuer Technologien wie großer Wärmepumpen, die in Zeiten von Stromüberschuss insbesondere im Sommer Wärme umweltverträglich aus örtlichen Gewässern ziehen könnten.

Wenn es kalt und dunkel ist werden unsere Heizkraftwerke dann doppelt gebraucht. Die Gasturbinen des GT-HKW und der GUD werden zukünftig nach kleinen Anpassungen aus einem grünem Wasserstoff-Erdgas-Mix aus dem Erdgasnetz CO2-frei Strom und Fernwärme produzieren und dafür sorgen, dass in Braunschweig auch wenn es kalt und dunkel ist die Versorgung sichergestellt ist. Selbstverständlich wird dann auch das Biomasseheizkraftwerk mit voller Kraft laufen.

Von wo aus werden die neuen Anlagen sichtbar sein?

Welche logistischen Veränderungen bringen die neuen Anlagen mit sich?

Biomasse

Warum will BS|ENERGY vornehmlich Altholz einsetzen?

Altholz ist ein Brennstoff, der nachhaltig ist, kontinuierlich anfällt und größtenteils nicht anderweitig, zum Beispiel durch Recycling, verwertet werden kann und auch nicht deponiert werden darf.

Momentan wird in den meisten anderen Biomasse-Kraftwerken mit Hauptbrennstoff Altholz nur ca. 30 Prozent der wertvollen, im Holz gespeicherten Energie genutzt. Durch den Bau eines neuen modernen Heizkraftwerkes mit Kraft-Wärme-Kopplung kann BS|ENERGY diesen Anteil auf fast 85 Prozent erhöhen. Vornehmlich wird dabei Altholz aus der Region Braunschweig sowie aus den angrenzenden Teilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts verwendet, sodass keine langen Transportwege notwendig sind. Dadurch lässt sich nachhaltige und dennoch für unsere Kunden günstige Wärme erzeugen. Im Biomasse-Heizkraftwerk kommt, neben Landschaftspflegeholz und Siebüberläufen (max. 10 Prozent Anteil), im wesentlichen Altholz der Klassen A II bis A IV als Brennstoff zum Einsatz. Die Verwertung und Beseitigung von Altholz wird in der Altholzverordnung (AltholzV) geregelt. Das meiste Altholz ist Abfall im Sinne der Abfallverzeichnisverordnung (AVV).

Landschaftspflegeholz         

  • Naturbelassenes Holz und holzige Materialien
  • Beispiele: Stammholz, Ast-, Strauch- und Grünschnitt u.a. von Grundstückseigentümern und Straßenmeistereien

Siebüberläufe

  • Nichtkompostierbare holzartige Rückstände aus Kompostieranlagen (z.B. holzartige Teile von Pflanzen, Holzgeschirr, Mango- und Avocadokerne)

A I

  • Lediglich mechanisch bearbeitetes und nur unerheblich verunreinigtes Holz
  • Beispiele: Verschnitt, Paletten, Kisten, naturbelassenes Bauholz

A II

  • Verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Holz ohne Kunststoffe oder Holzschutzmittel in der Beschichtung
  • Beispiele: Holzwerkstoffe, Paneelen

A III

  • Verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Holz mit Kunststoff-Verbindungen aber ohne Holzschutzmittel in der Beschichtung
  • Beispiele: Möbel, Küchen, sonstige Inneneinrichtungen

A IV

  • Mit Holzschutzmittel behandeltes, imprägniertes oder beschichtetes Holz
  • Beispiel: Türen und Fenster aus dem Außenbereich, Dachbalken, Leitungsmasten, Holz aus dem Garten- und Landschaftsbau
  • Stoffliche Verwertung von A IV-Holz ist gemäß Verordnung ausgeschlossen

Altholz ist doch gar keine Biomasse im Sinne der Biomasseverordnung. Wieso verwendet BS|ENERGY dennoch die Bezeichnung Biomasse-Heizkraftwerk?

Im Allgemeinen wird Altholz als Biomasse bezeichnet, wir verwenden jedoch, um Missverständnisse zu vermeiden, den Begriff Biomasse-Heizkraftwerk „Hauptbrennstoff Altholz“.

BS|ENERGY plant ein vornehmlich mit dem Brennstoff Altholz betriebenes Holzheizkraftwerk. Altholz ist tatsächlich keine Biomasse im Sinne der aktuellen Biomasseverordnung (BiomasseV). Für die Verwendung des Begriffs „Biomasse“ ist die BiomasseV jedoch auch gar nicht relevant. Diese regelt nur, welche Brennstoffe eingesetzt werden dürfen, damit die Heizkraftwerke nach dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) gefördert werden können. In einer früheren Form der BiomasseV zählte auch Altholz dazu. Im allgemeinen Verständnis werden unter anderem deswegen alle Formen von Holz – Frischholz und Altholz ­ als Biomasse bezeichnet. Mit nur wenigen Ausnahmen werden somit in Deutschland alle Holz(heiz)kraftwerke, die Altholz einsetzen, als Biomasse(heiz)kraftwerke bezeichnet. Dieser Benennung hat sich BS|ENERGY angepasst, um die Vergleichbarkeit mit ähnlichen Heizkraftwerken zu vereinfachen. Um Missverständnissen vorzubeugen, kommuniziert BS|ENERGY den Begriff Biomasse-Heizkraftwerk mit dem Zusatz „Hauptbrennstoff Altholz“.

Wieso nutzt BS|ENERGY nicht zu 100 Prozent Biomasse aus Frisch- oder Waldrestholz?

Für eine Stadt mit einer Größe von Braunschweig ist regional nicht ausreichend nachhaltige Biomasse aus Frisch- und Waldrestholz oder auch Landschaftspflegeholz vorhanden, sodass dieses über die Landesgrenzen hinweg oder sogar aus Übersee beschafft werden müsste. Auch sieht BS|ENERGY es als nicht nachhaltig an, wenn für die Wärmeversorgung von Braunschweig in Elm und Harz zusätzliche Bäume gefällt werden müssten. Deshalb hat BS|ENERGY sich zusätzlich zu regional anfallenden Mengen von Landschaftspflegeholz im Wesentlichen für Altholz entschieden.

Macht eine stoffliche Verwertung von Altholz nicht viel mehr Sinn, als eine thermische?

Für einige Altholzklassen mag das zutreffend sein, aber für Altholz ab Klasse III ist eine Stoffliche Verwertung sowie Deponierung verboten. Altholz, vor allem Altholz der Klasse A I, sollte zunächst möglichst recycelt, das heißt. stofflich verwertet werden (z.B. zur Herstellung von Spanplatten). Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Holz leistet durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten einen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels. Aber nicht das gesamte Altholz kann stofflich verwertet werden. Insbesondere für Altholz der Kategorie III und IV ist die thermische Verwertung in speziell auf diesen Brennstoff angepassten Biomasse-Heizkraftwerken die beste Verwendung im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips, weil dieses die Anforderungen der Holzwerkstoffindustrie z.B. wegen Fremdstoffen wie Glas oder Metall nicht erfüllt. Weil im Altholz geringe Mengen an Schadstoffen enthalten sind, wird das Heizkraftwerk den sehr strengen Anforderungen der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) entsprechen. Die mit Altholz erzeugte Energie wird in der geplanten Anlage doppelt genutzt: einmal für die Stromerzeugung und einmal für die Wärmegewinnung. Das erhöht den Wirkungsgrad des Kraftwerks (Kraft-Wärme-Kopplung).

Ist mit einer Geruchsbelastung durch das Heizkraftwerk zu rechnen?

Nein, da die Abluft im Altholzkessel verbrannt wird und das Biomasse Lager unter Unterdruck steht.

Um eine Geruchsbelastung zu vermeiden, setzen wir auf hochentwickelte Anlagentechnik – wie zum Beispiel eine geschlossene und mit Luftfiltern ausgestattete Brennstofflagerhalle dessen Abluft zur Verbrennungsluft geführt wird und schnell schließende Tore besitzt.

Gasturbine

Wieso baut man noch eine Gasturbine? Gaskraftwerke sollen doch im Betrieb viel zu teuer sein.

Gasturbinen sind sehr flexibel und können in kürzester Zeit Bedarfe ausgleichen, deshalb sind sie unabdingbar für die Energiewende und werden besonders gefördert.

Als Partner der Erneuerbaren Energien sind Gasheizkraftwerke wie die Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) und das neue Gasturbinen-Heizkraftwerk sehr flexibel und werden dringend für die Energiewende benötigt. Deshalb werden neue Gaskraftwerke von der Bundesregierung besonders gefördert. Dadurch wird die Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage sichergestellt. Außerdem wird das neue Gasturbinen-Heizkraftwerk speziell für den Winterbetrieb ausgelegt. In dieser Zeit besteht nicht nur hoher Bedarf an Wärme, sondern auch an Strom, weil gleichzeitig nur geringe Einspeisungen von Photovoltaik- und Windanlagen einem hohen Verbrauch, z.B. für Beleuchtung gegenüberstehen. In diesem Punkt unterscheidet sich diese Anlage etwas von der 2010 in Braunschweig in Betrieb gegangenen Gas- und Dampfturbinen-Anlage.

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