Vom Klassenzimmer in die Wolfsschlucht: 175 Jugendliche entdecken die Magie der Oper
Wie bringt man Jugendliche dazu, sich neugierig und ohne Vorurteile auf eine Oper einzulassen? Die Antwort gibt das gemeinsame Projekt von BS|ENERGY und dem Staatstheater Braunschweig: „175 Schüler in die Oper”. Bevor die Schülerinnen und Schüler auf dem Burgplatz die Vorstellung von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ erlebten, boten gemeinsame Workshops die ideale Vorbereitung für einen emotionalen Kulturabend.
Bereits seit 2008 arbeiten BS|ENERGY und das Staatstheater eng zusammen, um Jugendlichen aus Braunschweig den Zugang zum Musiktheater zu ermöglichen und Berührungsängste gegenüber klassischen Aufführungen abzubauen. Neben der inhaltlichen Annäherung an das Stück öffnet das Theater dafür auch seine Türen für einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. „Wir wollen jungen Menschen zeigen, dass Kultur bewegt und begeistert. Das Burgplatz Open Air bringt die große Operntradition dorthin, wo sie hingehört – mitten unter die Menschen”, ist Jens-Uwe Freitag, Vorstandsvorsitzender von BS|ENERGY, überzeugt. Anlässlich des 175-jährigen Firmenjubiläums von BS|ENERGY wurde die traditionelle Aktion „100 Schüler in die Oper“ einmalig auf 175 Plätze aufgestockt. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, dieses Erlebnis mit der jungen Generation zu teilen und in diesem Jahr sogar 175 Jugendlichen einen Abend zu ermöglichen, der noch lange in ihren Köpfen nachklingt“, erklärt Freitag weiter.
Der Workshop als Brücke zum Aha-Moment
Mit dabei waren dieses Jahr Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Neue Oberschule, der Gaußschule, der BBS Helene-Engelbrecht-Schule, des Gymnasiums Kleine Burg sowie der Nibelungen-Realschule. Wie nahbar und zeitgemäß eine klassische Oper sein kann, erfuhren die Jugendlichen bereits im Vorfeld der Aufführung. In einem kreativen Theaterworkshop mit der Musiktheatervermittlerin Hannah Spielvogel näherten sich die Klassen spielerisch den düsteren Geheimnissen der Wolfsschlucht, ohne jedoch spannende Schlüsselszenen und Effekte vorwegzunehmen.
„Ich bin in diesen Workshops vielen aufgeschlossenen, neugierigen und vor allem kreativen Schülerinnen und Schülern begegnet. Die Offenheit, mit der sich die Jugendlichen auf das ‘Experiment’ Oper eingelassen haben, hat mich sehr beeindruckt – das ist nicht selbstverständlich.“
Hannah Spielvogel
Staatstheater Braunschweig
Dass dieses Konzept aufging, zeigte das Feedback der Klassen nach dem Opernbesuch. Sophia, Schülerin der Nibelungen-Realschule, freute sich vor allem über die Überraschungsmomente: „Die moderne Interpretation hat mir besonders gut gefallen. Dass Hannah uns trotz des Workshops nicht alles vorweggenommen hat, war toll. Die Skelette auf der Bühne kamen daher sehr unerwartet, das fand ich cool und lustig.“
Von anfänglicher Skepsis zu echter Begeisterung
Die anfängliche Zurückhaltung wandelte sich bei vielen Jugendlichen im Laufe des Abends in begeisterte Faszination. Die moderne Inszenierung von „Der Freischütz“ überzeugte vor allem durch zeitgemäße, humorvolle Dialoge, die immer wieder für Schmunzler in den Rängen sorgten. Mit Blick auf die Wirkung für das junge Publikum unterstreicht Generalintendant Tobias Wolff:
„’Der Freischütz’ erzählt eine Geschichte, die bis heute funktioniert – mit Konflikten, Ängsten und einer Musik, die unmittelbar packt. Philipp Moschitz’ Inszenierung zeigt sehr klar, dass Oper nicht verstaubt ist, sondern lebendig, direkt und emotional. Der ideale Einstieg für ein junges Publikum!“
Besonders die Figur des Teufels Samiel blieb den Jugendlichen in Erinnerung: Mit beeindruckendem Selbstbewusstsein, der fesselnden Ausstrahlung und einem unerwarteten Auftritt auf dem Balkon des Doms zog er das Publikum in den Bann. Am Ende des Abends wurden jedoch alle Charaktere und das Orchester mit großem Applaus gefeiert. Aus der ursprünglichen Befürchtung, Oper sei „cringe“, wurde echte Begeisterung.