Fünf Personen hinter einem Holztisch mit bunten Bauchtaschen vor einer Wand mit Graffiti und einem großen gemalten Auge
Das Team aus Ehrenamtlichen bietet die farbenfrohen Bauchtaschen auf Festivals zum Kauf an. Bild: neuerDings

Vom Zelt zur Tasche

Das Projekt „neuerDings“ der studentischen Initiative Enactus stellt bunte Bauchtaschen aus alten Zelten her.

Musikfestivals gehören zum Sommer wie das Eis zum Aperol Spritz. Doch nach der Party bleiben meist nicht nur schöne Erinnerungen zurück, sondern auch eine Menge Müll, der von den Gästen auf den Zeltplätzen zurückgelassen wird. Ein Anblick, der eine Gruppe Studierender zum Nachdenken und Umdenken angeregt hat.

Eine von ihnen ist Lucia Grüthling. Lucia ist Teil der ehrenamtlich organisierten Projektgruppe „neuerDings“. Diese sammelt alte, gebrauchte Zelte auf Festivals ein und stellt aus ihnen Bauchtaschen her. „Wenn man einmal auf einem Festival war und sieht, wie viel Plastikmüll da liegen bleibt – nicht nur Zelte, sondern auch vieles andere – da wollten wir etwas gegen machen und haben die Idee mit den Bauchtaschen entwickelt.“ Material für die Taschen findet das Team auf Festivals in der Region: „Häufig gehen wir im Anschluss herum und sammeln liegen gelassene Zelte ein oder wir haben einen Stand, an dem Leute ihre kaputten Zelte abgeben können.“ Nach dem Sammeln und Transportieren kommt das Waschen: „Den Oberstoff waschen wir in einer ganz normalen Waschmaschine, den Zeltboden waschen wir ganz einfach mit Schwamm und Spüli“. Anschließend wird der Stoff zum Trocknen in den Büroräumen der Initiative oder bei den Studierenden zu Hause aufgehängt. Wenn alles sauber ist, gehen die Stoffe zu Schneiderinnen in Braunschweig und Hannover, die jedes Teil von Hand zurechtschneiden und zusammennähen.

Auf diesem Weg stellt das Team in jedem Frühjahr um die 500 Bauchtaschen her, um diese im Sommer auf verschiedenen Musikfestivals als Merchandise Artikel verkaufen zu können. An jeder Tasche wird zu diesem Zweck ein Aufnäher des jeweiligen Festivals befestigt, zum Beispiel vom Harzer Musikfestival „Rocken am Brocken“. Danach wandern die Unikate an den Merchstand, wo sie vom Festivalteam oder von den Ehrenamtlichen von „neuerDings“ an die Besuchenden gebracht werden. Wer im Folgejahr als Gast wiederkommt, kann dann mit etwas Glück sein abgegebenes Zelt im Bauchtaschenformat am Stand der Gruppe wiederentdecken.

Mehrere bunte Gürteltaschen mit runden Aufnähern liegen nebeneinander auf einem Holztisch im Freien
Jedes Stück ein Unikat: Die Bauchtaschen werden in Handarbeit in der Region Braunschweig-Hannover gefertigt. Bild: neuerDings

Das ganze Prozedere ist ein wahrer Kraftakt, den das Team aus ideeller Überzeugung jedes Jahr auf sich nimmt: „Es geht uns hauptsächlich darum, Awareness auf den Festivals zu schaffen. Wenn Besuchende unseren Stand und die Taschen sehen und sich damit beschäftigen, hoffen wir ihr Mindset auch ein wenig positiv verändern zu können“. Auch die Merchandise-Kultur möchten sie auf diesem Weg positiv beeinflussen. Um einen wirklichen Impact, also eine merkliche Auswirkung auf die Veranstaltungsindustrie und die Umwelt haben zu können, müsste das Projekt jedoch in noch deutlich größerem Umfang aktiv werden.

„Theoretisch könnten wir bereits jetzt deutlich mehr herstellen. Genug Zeltstoff haben wir! Doch wenn man sich wirklich vergrößern will, bräuchte man zum Beispiel einen Transportwagen oder eine Lagerhalle. Das ist momentan einfach nicht drin.“ Das meiste Geld wandert zurzeit in die Material- und Produktionskosten, die vom Team jede Saison vorgestreckt werden. Zwar ist der Zeltstoff kostenfrei, aber Reißverschlüsse und Tragegurte müssen dazugekauft werden. Auch die Kosten für die Näherei sind nicht unerheblich: „Wir wollen ja auch, dass die Leute richtig bezahlt werden. Das macht so eine Tasche in der Produktion ziemlich teuer“, erklärt Lucia. „Wir versuchen bisher vor allem, durch Wettbewerbe etwas Geld hereinzubekommen.“ Langfristig steht auch das Thema einer Ausgründung im Raum, doch bis es so weit ist, benötigen die Studierenden noch einiges an Durchhaltevermögen und Spenden.

Wer helfen möchte, kann „neuerDings“ sowohl mit Material- als auch Geldspenden unterstützen. Auch über Kontakte freut sich das Team: „Wenn jemand uns mit Leuten vernetzen kann, die Kontakte zu Festivals haben und für das Projekt zu begeistern sind, freuen wir uns sehr!“

Weitere Informationen zu der studentischen Initiative enactus und dem Projekt „neuerDings“ gibt es auf www.neuer-dings.de

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